Museumsdirektor Schepers kritisiert Image der evangelischen Kirche als zu nüchtern 

Hameln. Die Protestanten haben nach Ansicht des Kunsthistorikers und Museumsdirektors Wolfgang Schepers aus Hannover ein zu nüchternes Erscheinungsbild.

„Die evangelische Kirche sollte etwas fröhlicher werden in ihrer Selbstdarstellung“, forderte Schepers in Hameln beim 3. Medientag der hannoverschen Landeskirche zum Thema „Schöne Kirche?! Wieviel Ästhetik brauchen wir?“ Besonders kritisierte er die evangelische Symbolfarbe Violett: „Ich empfinde sie als wenig fröhlich.“ Sie erinnere an Fasten und Buße.

Schepers leitet das August-Kestner-Museum in Hannover. Lila, Purpurrot, Schwefelgelb und manche Formen von Grün lösten negative Empfindungen aus, sagte der Designexperte, der in der katholischen Kirche aufwuchs. Weil es aus Rot und Blau gemischt sei, gelte Violett zudem nicht als reine Farbe.

Auch die evangelische Kirche müsse in der allgemeinen Bilderflut eine Position beziehen, sagte Schepers. Zu dem Medientag kamen 110 Teilnehmer aus der Publizistik und Öffentlichkeitsarbeit der Landeskirche zwischen Cuxhaven und Hann. Münden.

Der hannoversche Landesbischofs Ralf Meister sagte, die evangelische Kirche sei als Kirche des Wortes eher für das Radio geeignet als für das Fernsehen. Eine gute Predigt muss nach seiner Ansicht auch provozieren. Es müsse deutlich werden, dass Gott die Menschen aus dem Alltag herausrufe. „Wenn ein Kirchenbesucher am Ausgang zu mir sagen würde: Sie haben aber schön gepredigt, würde ich mich zweifelnd selbst prüfen“, sagte der Bischof. Eine bedeutende Rolle spiele die Musik. „Sie ist eine der wichtigsten Verkündigungsformen und ermöglicht auch Zugänge für Skeptiker.“

Die Architektur-Professorin Gesche Grabenhorst wünschte sich, dass die evangelische Kirche mehr zelebriere. Die Protestanten bräuchten mehr durchdachte Ästhetik und „weniger Selbstgestricktes“, erläuterte sie mit Blick auf Pastoren, die im Talar Gitarre spielen. Die Kirche habe eine gute Botschaft, doch sie werde oft nicht gut transportiert. Grabenhorst lehrt Gestaltung an der Fachhochschule Bielefeld/Minden.

Die Hildesheimer Grafik-Professorin Barbara Kotte riet dagegen der evangelischen Kirche: „Sie soll bei sich selbst bleiben und nicht Germanys-next-Top-Model der Schönheit hinterherrennen.“ Sie sei eben die Kirche des Wortes und solle Bilder eher weglassen. „Ich finde Glaubwürdigkeit wichtiger als das, was man draufsetzt.“ (epd)

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