„Eine Situation, die mir Sorgen bereitet“

Polizeigewerkschafter Plickert warnt vor Erstarken der Hooligan-Szene

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Arnold Plickert

Kassel/Köln. Tausende Hooligans und Rechtsradikale inszenierten in Köln ihre Brutalität. Den starken Zulauf innerhalb der gewaltbereiten Hooligan-Szene betrachtet der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, mit großer Sorge.

Herr Plickert, Sie waren gestern bei den Ausschreitungen in Köln selbst vor Ort. Wie haben Sie die Demonstration erlebt? 

Arnold Plickert: Zwei Dinge waren für mich besonders: Zum einen die große Teilnehmerzahl von 4500 Leuten. Vor drei Monaten hat die gleiche Gruppe in Mannheim mit 30 Menschen demonstriert, in Frankfurt mit 60, in Essen mit 80 und vor drei Wochen in Dortmund waren es schon 400. Zum anderen haben sich Hooligan-Gruppen, die eigentlich verfeindet sind und sich gegenseitig bekämpft haben, daruntergemischt.

Rechnen Sie nach den Ausschreitungen in Köln mit weiteren Gewaltaktionen der Hooligans?

Plickert: Die entscheidende Frage der nächsten Wochen wird sein, ob diese Gruppen Führungsstrukturen bilden und weitere Anhänger rekrutieren können. Es ist eine Situation, die mir etwas Sorgen bereitet.

Auch Rechtsradikale waren unter den Demonstranten. Ist das nicht ein Beweis dafür, dass die Hooligan-Szene der rechten Szene zuzuordnen ist, was Hooligans selbst ja gern bestreiten?

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Plickert: Nach unseren Erkenntnissen ist der normale Hooligan in der Regel nicht so sehr an politischen Auseinandersetzungen interessiert. Nicht jeder Hooligan ist dem rechten Spektrum zuzuordnen. Aber die Gefahr besteht natürlich, wenn Hooligans und Neonazis jetzt zusammen auf die Straße gehen, dass da auch ein Anschluss an die rechte Szene folgen kann und diese Gruppe noch gefährlicher machen wird.

War die Demonstration nur ein Vorwand für Auseinandersetzungen mit der Polizei?

Plickert: Für mich ist das vorgeschoben. Frei nach dem Motto: Wir sind vielleicht schlimm, aber die Salafisten sind noch schlimmer, und wir tun etwas dagegen. Auf der Demonstration war weit und breit kein Salafist zu sehen. Die Gewalt hat sich einzig und allein gegen die Polizei und Medienvertreter gerichtet. Das macht doch deutlich, was die wahre Gesinnung ist.

Hooligans rekrutieren ihre Anhänger besonders über soziale Netzwerke. Was können Polizei und Sicherheitsbehörden dagegen tun?

Plickert: Was die sozialen Netzwerke betrifft, können wir erstmal gar nichts tun. Wir können ja dort nicht einfach Daten abgreifen, dazu sind wir rechtlich nicht in der Lage. Wir müssen vielmehr schauen, wie wir vor Ort Erkenntnisse bekommen, um herauszufinden, wer an der Demonstration überhaupt beteiligt war. Deshalb brauchen wir dringend eine grundgesetzkonforme Handhabe, um bei schweren Straftaten auf diese Daten zugreifen zu dürfen.

Zur Person

Arnold Plickert (57), geboren in Wanne-Eickel, ist Erster Polizeihauptkommissar und NRW-Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Er ist verheiratet und lebt in Bochum. Mehr will er über sein Privatleben nicht preisgeben.

Von Daniel Göbel

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