Geschlossenes Heim für kriminelle Kinder: Das erste Fazit fällt verhalten aus

Einer schaffte den Absprung

Hinter hohen Mauern: Derzeit sind in der Erziehungseinrichtung sieben Jungen im Alter von zwölf bis 15 Jahren untergebracht. Vier Kinder wurden in den anderthalb Jahren seit dem Start entlassen.

Vechta. Mehr als anderthalb Jahre nach der Gründung einer geschlossenen intensivtherapeutischen Wohngruppe für Jungen in Lohne haben Wissenschaftler eine verhaltene Zwischenbilanz gezogen. Es fehlten bislang Langzeiterfahrungen, ob die pädagogischen Erfolge nachhaltig seien, sagte gestern Prof. Nina Oelkers von der Universität Vechta, die das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Im Mai 2010 hatte die Caritas in einer früheren Bundeswehrkaserne in Lohne bei Vechta das einzige geschlossene Kinderheim in Niedersachsen für sieben Jungen im Alter von zehn bis 14 Jahren eröffnet. Im Moment fehle es noch an angemessenen Anschlussangeboten, bemängelte Oelkers. Die Jungen bräuchten auch nach ihrem Aufenthalt stark strukturierte Wohngruppen. Zu überlegen sei, ob das Wohnheim tatsächlich von einer hohen Mauer umgeben sein müsse. Das Mitarbeiterteam sei nach großer Fluktuation in der Anfangszeit inzwischen stabil.

Die Kinder werden auf richterlichen Beschluss für ein Jahr in dem Heim untergebracht. Sie hätten zahlreiche Delikte wie Diebstähle begangen, sagte ein Sprecher der Caritas. In einem abgestuften System können sie sich Freiheiten „erarbeiten“. Nur in den ersten 14 Tagen seien die Kinder geschlossen untergebracht. Danach seien Ausgänge möglich, zunächst begleitet, später allein.

Aktuell werden zwei Zwölfjährige, zwei 13-Jährige, ein 14-Jähriger und zwei 15-Jährige Jungen, die als 14-Jährige kamen, betreut. Drei von ihnen kommen aus Niedersachsen, zwei aus Nordrhein-Westfalen, einer aus Mecklenburg-Vorpommern und einer aus Bayern. Laut Caritas wurden bislang vier Kinder und Jugendliche entlassen. Ein Jugendlicher, der auf der Straße gelebt und keine Schule mehr besucht hatte, wohne inzwischen wieder bei seinem Vater. Er habe sogar den Hauptschulabschluss geschafft. Ein anderer Junge kehrte in den Haushalt seiner Mutter zurück. Ein drittes Kind kam zunächst in eine offene Wohngruppe, musste sie aber nach drei Monaten wieder verlassen. Der vierte Junge wechselte in eine andere Jugendwohngruppe der Caritas.

Derzeit gebe es Planungen, auch ein Anschlussangebot vorzuhalten, sagte der Geschäftsführer des Caritas-Sozialwerks Lohne, Reinhard Möller. (lni) Foto:  dpa

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