Parteitag in Nürnberg

CSU demonstriert Einigkeit: Jubel für den neuen Hoffnungsträger

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Jubel beim Parteitag der CSU: Seehofer wurde im Amt bestätigt und bildet nun das Spitzenduo mit Söder.

In der Heimat erlebt Markus Söder einen seiner größten politischen Triumphe. Der finale Parteitag ist geprägt von kämpferischen Reden, mit Horst Seehofer bildet der Franke künftig eine Doppelspitze.

Wer Markus Söder als jungen CSU-Generalsekretär unter Edmund Stoiber erlebte, wusste, wo er hin wollte: "Der will mal Ministerpräsident werden", raunten sie in der CSU schon früh über den ehrgeizigen Nürnberger. Nun steht Söder vor dem Ziel. Anfang des Jahres soll er das Amt von Horst Seehofer übernehmen. Am Samstag kürte ihn ein CSU-Parteitag in seiner Heimatstadt zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im kommenden Jahr.

In einer offenen Abstimmung votierte die große Mehrheit der Delegierten für Söder, nur vereinzelt waren Gegenstimmen zu sehen. Der Jubel war groß - wohl auch, weil damit der Machtkampf in der CSU beendet wurde. Alle Infos und Entwicklungen können Sie in unserem Live-Ticker nachlesen.

In einer kämpferischen Rede hatte Söder zuvor um das Vertrauen der Basis geworben. Er könne keine Prozentzahl versprechen, aber er verspreche, dass er "mit ganzer Kraft und ganzer Leidenschaft" kämpfen werde, rief er den Delegierten zu.

Im ersten Quartal des Jahres soll der am 5. Januar 1967 geborene Söder Seehofer als Regierungschef ablösen. Er wird dann seinen politischen Ziehvater Stoiber als damals jüngsten Ministerpräsidenten ablösen, wenn auch nur um ein paar Monate. Er gehe die Aufgabe mit "Mut und Demut" an, kündigte Söder in Nürnberg an.

Söder und Seehofer: Einstige Widersacher wollen eng zusammenarbeiten

Das hatte er bereits Anfang Dezember gesagt, als sich Parteispitze und Landtagsfraktion auf ihn als designierten Ministerpräsidenten verständigten. Dabei wurde auch beschlossen, dass Seehofer Parteichef bleiben soll - und so kam es in Nürnberg auch: Seehofer wurde im Amt bestätigt und bildet nun das Spitzenduo mit Söder. Die einstigen Widersacher versicherten, in den kommenden Monaten eng zusammenarbeiten zu wollen.

Söder sitzt schon nahezu sein halbes Leben im bayerischen Landtag und hat zehn Jahre Regierungserfahrung als Minister. Er war Europaminister, Umwelt- und Gesundheitsminister. Seit 2011 leitet er das bayerische Finanzministerium, das 2013 mit einer neuen Zuständigkeit für Heimat zum Superministerium ausgebaut wurde - für das Heimatressort durfte Söder in seiner Geburtsstadt Nürnberg eine Außenstelle errichten.

Eine eindrucksvolle Vita hat Söder als Politiker also zu bieten, inklusive glänzender Haushaltsberichte in seinem Finanzressort. Und dennoch wirkte es in dem nach der CSU-Pleite bei der Bundestagswahl entstandenen Machtkampf zeitweilig so, als wolle Seehofer alles daran setzen, seinen stärksten Minister als Nachfolger zu verhindern.

Was sich politisch nur schwer begründen lässt, erklärt sich auf der menschlichen Ebene. Als "vom Ehrgeiz zerfressen" und für "zu viele Schmutzeleien" geißelte Seehofer seinen Minister 2012 öffentlich auf einer CSU-Weihnachtsfeier. In Nürnberg lobte er ihn fast überschwänglich, und auch Söder hatte seinerseits nur wohlwollende Worte für den Parteichef übrig.

Die Kür auf dem Parteitag war dann für Söder angesichts der offenen Abstimmung nur noch eine Formsache. Er ist jetzt bald da, wo er hin wollte. Sein Vorteil ist, dass er den CSU-Betrieb in Bayern ebenso wie die Staatsregierung aus dem Effeff kennt. Der Jurist und ehemalige Redakteur des Bayerischen Fernsehens trat als Fan von Franz Josef Strauß schon mit 16 Jahren 1983 in die CSU ein.

Er war acht Jahre lang bis 2003 Chef der Jungen Union in Bayern, im Landtag sitzt er seit 1994. Von 2003 an war Söder CSU-Generalsekretär. Nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten wird sich aber erst bei der Wahl im Herbst weisen, wie sich seine bislang steile politische Karriere weiter entwickelt.

AFP

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