Interview mit Peter Feldmann: Frankfurts OB setzt auf Bürgerkontakt und Kooperation mit Schwarz-Grün

„Einmal im Monat Hausbesuche“

Der künftige neue Chef im Frankfurter Rathaus: Peter Feldmann (SPD) löst Petra Roth (CDU) ab. Foto: dpa

Frankfurt. Frankfurts künftiger Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) empfängt Gesprächspartner gerne im Café. Da kommt es schon mal vor, dass mitten im Interview Wildfremde schnell mal zum Wahlerfolg gratulieren.

Im Café zu sitzen, dürfte bald der Vergangenheit angehören, oder nicht?

Feldmann: Nein, ich habe fest vor, auch als OB eine kleine Mittagspause einzulegen.

Weil die schwarz-gelbe Mehrheit im Römer nichts mit Ihnen zu tun haben will?

Feldmann: Manche Reaktionen sind Nachwehen des Wahlkampfes, schließlich waren alle von dem Ergebnis überrascht. Aber wir sollten den Wahlkampf nicht fortsetzen. Es gibt auch schon versöhnlichere Töne.

Sie setzen auf Kooperation?

Feldmann: Anders kann ich mir das nicht vorstellen. Die Menschen in Frankfurt wollen, dass wir zusammenarbeiten, auch die Hessische Gemeindeordnung verlangt das. Und wer ist denn gegen meine Themen wie Wohnungsbau, die bessere Würdigung der älteren generation oder den Kampf gegen Kinderarmut?

Apropos Kinderarmut, was haben Sie da in Frankfurt konkret vor?

Feldmann: Der Kampf gegen Kinderarmut hat auch viel mit Bildung zu tun. Ich möchte, dass Kinder Förderunterricht bekommen, verbilligte ÖPNV-Tickets und für alle ein gesundes Mittagessen.

Für alle - also auch die, die es finanziell nicht brauchen?

Feldmann: Es gibt kein anderes Land, in dem diskutiert wird, ob Kinder sozial gestaffelt essen. Man isst zusammen, das ist Teil der Kultur. Es gibt schon einen Prüfungsauftrag im Römer, ob das wirklich teurer wäre, man sparte ja auch viel Bürokratie.

Was wollen Sie für alte Menschen tun?

Feldmann: Wir haben in den Achtzigern viele Seniorentreffs dichtgemacht im Irrglauben, aktive und gut situierte Alte brauchten das nicht. Natürlich gibt es diese Senioren, aber es gibt auch andere, die isoliert in dieser Stadt leben. Für die möchte ich dort etwas tun, wo es keine Angebote gibt. Ihnen fühle ich mich als Sozialdemokrat besonders verpflichtet. Das gilt auch für die Menschen, die preiswerten Wohnraum brauchen. Dafür werde ich mich vehement einsetzen, nachdem die Zahl der geförderten Wohnungen in Frankfurt seit Jahren sinkt.

Sie wollen Wirtschaftsdezernent werden, warum?

Feldmann: Weil ich finde, dass wir die Internationalität der Stadt nicht ausreichend nutzen. Ein Beispiel: Wir müssen internationale Firmen, die nach Frankfurt kommen wollen, mit Fachkräften unter den Migranten zusammenbringen, die hier zu Tausenden an der Uni und der Fachhochschule ausgebildet werden. Da muss sich eine Stadt kümmern.

Wenig erfreut dürfte wohl die Wirtschaft auf Ihren Plan reagieren, in Frankfurt die Gewerbesteuer wieder zu erhöhen.

Feldmann: Wir haben ein Defizit von 300 Millionen Euro, da kann man nicht einfach auf 70 Millionen Euro verzichten. Nur übers Sparen wird es nicht gehen.

Gibt es aus der SPD eigentlich schon die ersten Ansprüche an Sie?

Feldmann: Nein, wir sind erst mal glücklich über das Wahlergebnis.

Hat man Sie unterschätzt?

Feldmann: Das ist wohl so. Aber besser unterschätzt werden und gewinnen als der Favorit sein und verlieren.

Sie wollen abends lieber lange arbeiten als auf Bälle zu gehen - muss ein Frankfurter OB nicht beides tun?

Feldmann: Ich lehne Repräsentation natürlich nicht ab, das wäre ja verrückt! Aber Arbeitstermine haben im Zweifel Vorrang. Die Bürger haben ein Recht darauf, mich für meine Politik kämpfen zu sehen. Dafür haben sie mich gewählt. Um den Kontakt zu den Menschen zu halten, werde ich übrigens einmal im Monat Hausbesuche machen.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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