RP will Bekenntnis zum Bau der Pipeline

Sinkende Grenzwerte zur Salzabwasser-Einleitung in die Werra

Kassel. Der alte Chloridgrenzwert bleibt bis 2015. Dann soll K+S Abwässer der Kalifabriken und von den Abraumhalden nur noch so sparsam in die Werra pumpen, dass sie dort stärker verdünnt werden.

Nicht mehr 2500 mg pro Liter Wasser sind erlaubt, sondern in Stufen nur noch 1700 mg Ende 2019.

? Warum die neue Erlaubnis - und was ändert sich?

!Genehmigungen, einen Fluss als Abwasserkanal zu benutzen, werden nicht auf ewig erteilt, sondern befristet. K+S hatte beantragt, die alten Grenzwerte fortzuschreiben - und zwar bis Ende 2021.

? Wurde der 2500er-Chloridwert nicht schon 1942 fixiert?

!Doch, vor 70 Jahren. Berlin merkte damals an, dass das „längstens für die Dauer des Krieges“ gelten, „nach Wiederkehr normaler Verhältnisse aufgehoben werden“ solle.

? Weiter so bis 2015. Dann soll der Grenzwert sinken, also der Chloridanteil pro Liter Wasser kleiner werden. Hat nicht K+S selbst Besserung auf nur noch 1700 mg/l vor Jahren ins Spiel gebracht?

!Stimmt - das war nach der Ankündigung 2008, mit Investitionen von 360 Mio. Euro bis 2015 die Abwasserflut von heute zehn, elf Millionen Kubikmetern auf sieben Millionen zu drücken. K+S ging damals jedoch davon aus, den zweiten Entsorgungsweg, die Abwasserversenkung in tiefe poröse Gesteinsschichten, leicht abgewandelt weiternutzen zu können. Aus der Versenkung will das Land Hessen aber schnellstmöglich raus - wegen der Risiken für Grund- und Trinkwasser durch zurücksteigende Abwässer.

? Sieben Millionen Kubikmeter - wie viel ist das?

!Die Menge reicht, um einen Behälter lang und breit wie ein Fußballfeld mehr als einen Kilometer hoch zu füllen.

? Und nach einem Stopp der Versenkung?

!Die soll 2015 enden. Dann bliebe aus heutiger Sicht - ohne Produktionseinschränkung oder ganz neue Wege - nur Einleitung in die Werra.

? 2500 mg Chlorid pro Liter Flusswasser bis dahin - ist das eigentlich schlimm?

!Es ist viel weniger als zu DDR-Zeiten mit Spitzen von 30 000 mg und mehr. Es ist aber weit entfernt vom guten ökologischen Zustand, den Fachleute bei 100 mg sehen. Der schlechte Zustand beginnt danach schon bei 800 mg. Trotz Trendwende: Noch haben Süßwassertiere und -pflanzen hier wenig bis keine Chancen. Die Werra bleibt Deutschlands salzigster Fluss.

? Kann K+S die 1700 mg ab Ende 2019 einhalten?

!Man prüfe das, hieß es gestern aus der Konzernzentrale. In trockenen Jahren, vermuten die RP-Experten, könnte „es wehtun“: wenig Regen, wenig Einleitung, der Zwang, durch neue Technik die Abfallflut weiter zu schrumpfen.

? Was ist mit den anderen Grenzwerten?

!Müssen ab 2015 ebenfalls sinken: Magnesium, das Wasser hart macht, von 340 mg/l auf 230 mg Ende 2019. Und das fischgiftige Kalium von 200 mg auf 150 mg.

? Was wäre, wenn mal ein Paddler in die Werra fällt?

!Da gibt eine ältere Einleiterlaubnis Entwarnung: „Selbst bei Haut- und Augenkontakt mit der gesättigten Salzlösung ist allein erforderlich, Haut und Augen gründlich mit Wasser abzuspülen. Bei Verschlucken des Salzwassers muss der Betroffene sich nur den Mund ausspülen und reichlich Wasser nachtrinken.“ Bei der Verdünnung des Abwassers in der Werra passiere schon garnichts, beteuert der K+S-Antrag.

? Wie geht’s in Sachen Kaliabfälle jetzt weiter?

!Der RP hat in der neuen Erlaubnis ausdrücklich die Werra als Dauerlösung für Kaliabwässer ausgeschlossen. Das ist wichtig, weil die Halden, aus denen jeder Regen Salz auswäscht, ja noch hunderte Jahre entsorgt werden müssen. Stattdessen Nordseepipeline, sagte RP Walter Lübcke gestern, zur Not auch Ostsee: Er erwarte jetzt ein kurzfristiges Bekenntnis des Kasseler Konzerns zu einer nachhaltigen Gesamtlösung.

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