Erdogan legt im Streit mit Israel nach

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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hält an seiner harten Linie zum Konflikt mit Israel fest.

Istanbul - Die Türkei gibt im Gaza-Streit nicht nach. Erdogan will die Sanktionen gegen Israel noch verschärfen. Ob es dabei auch um die Handelsbeziehungen gehen soll, bleibt unklar.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bleibt im Streit mit Israel hart: Nach der Ausweisung des israelischen Botschafters und dem Einfrieren der militärischen Zusammenarbeit kündigte er am Dienstag weitere Schritte seiner Regierung gegen den bisherigen Verbündeten an. Eine Erklärung, wonach nun auch die Handelsbeziehungen auf Eis gelegt werden sollen, sei aber von seinem Büro umgehend korrigiert worden, berichtete der türkische Nachrichtensender NTV. Allerdings will die türkische Marine mehr Präsenz im östlichen Mittelmeer zeigen.

“Immer spielt Israel die Rolle des verzogenen Sohnes“, sagte Erdogan vor laufenden Kameras. Die Türkei stehe entschlossen gegen das Land, dessen Vorgehen den “Geruch von Staatsterrorismus“ trage. “Handelsbeziehungen, die militärischen Beziehungen, die Beziehungen der Rüstungsindustrie - all das wird komplett eingefroren und diesem Prozess werden weitere Schritte folgen.“

Zugleich bestätigte er, dass er einen Besuch im Gazastreifen plane. Stattfinden könnte dieser während eines für den 12. September angekündigten Aufenthaltes Erdogans in Kairo. Darüber müsse aber noch mit Ägypten gesprochen werden.

Erdogans Büro habe die Ankündigung weiterer Sanktionen gegen Israel sofort relativiert, berichtete NTV unter Berufung auf Mitarbeiter Erdogans. Erdogans Erklärungen seien missverstanden worden. Das Büro Erdogans wollte sich auf Anfrage zunächst nicht äußern. Die Redaktion von NTV sagte der Nachrichtenagentur dpa, sie habe die Korrektur aus sicherer Quelle erhalten. Am Vorabend hatte bereits der türkische Wirtschaftsminister Zafer Caglayan erklärt, die Türkei plane keine generellen Wirtschaftssanktionen gegen Israel.

Die Türkei hatte am Freitag den israelischen Botschafter ausgewiesen und alle Militärabkommen mit Israel auf Eis gelegt. Auslöser war ein Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen über die blutige Erstürmung eines Schiffes der Hilfsflotte für den Gazastreifen. Dabei hatten israelische Elitesoldaten am 31. Mai 2010 neun türkische Aktivisten getötet. In dem Untersuchungsbericht wird Israels Position in wesentlichen Punkten gerechtfertigt.

Erdogan kündigte auch an, dass türkische Schiffe im östlichen Mittelmeer mehr Präsenz zeigen würden. Genauere Angaben machte er dazu nicht. Türkische Medien hatten berichtet, geplant sei eine häufigere Entsendung von Marineschiffen.

Inzwischen hat der Streit auch Auswirkungen auf den Reiseverkehr zwischen beiden Staaten. Touristen beider Seiten beklagen Schikanen und Demütigungen an den Flughäfen. So seien sie von Sicherheitsleuten gezielt herausgesucht und gezwungen worden, sich für Untersuchungen zu entkleiden. Ein türkischer Flughafenmanager sagte Medienberichten zufolge, die Vorgehensweise sei Reaktion auf eine israelische Praxis.

dpa

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