Behinderte Kinder sollen ab 2010 in alle regulären Schulen gehen können

Eltern dürfen entscheiden

Normalität bald auch in Niedersachsen: Behinderte und nichtbehinderte Kinder gehen zusammen in eine Regelschule – wie hier in Schwerin. Foto: dpa

Hannover. Eltern behinderter Kinder sollen von 2013 an in Niedersachsen frei wählen können, welche Schule ihr Kind besucht. Alle regulären Schulen wären dann für Schüler mit Handicaps offen. Gleichzeitig sollen aber die Förderschulen mit Ausnahme der Grundschule für Lernschwache bestehen bleiben. Der Gesetzentwurf von CDU und FDP wurde am Dienstag vorgestellt.

Neu ist ein Punkt, auf den Eltern lange gewartet haben. Bisher konnte ihren Kindern der Besuch der regulären Schule verweigert werden – etwa mit dem Hinweis darauf, dass für die Integration eines beeinträchtigten Schülers geeignete Lehrer fehlten.

Im Jahr 2013 soll es nun in jeder Kommune mindestens eine inklusive Schule geben. 2018 sollen an allen Schulen selbstverständlich behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden, wie es eine UN-Konvention fordert. Laut Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) sollen 1000 Lehrerstellen geschaffen werden, Kosten: 45 Millionen Euro.

„Entscheidend ist, dass das Kindeswohl im Vordergrund steht“, betonte CDU-Fraktionschef Björn Thümler. Es liege im Ermessen der Eltern, ob sie ihr Kind am besten auf einer Regelschule oder Förderschule aufgehoben sehen.

Freiwillig können Grundschulen nach dem Entwurf schon am 1. August 2012 mit dem gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern beginnen. CDU und Liberale betonten, dass die Inklusion in Niedersachsen nicht bei Null beginne und nicht mit der Brechstange eingeführt werde. So unterrichten bereits Sonderpädagogen an 35 Prozent der Grundschulen. Die Zahl der Integrationsklassen stieg seit 2003 von 230 auf mehr als 400 Klassen.

Die Opposition bezeichnete den Gesetzentwurf als enttäuschend. „Mit der Möglichkeit, als „Ultima Ratio“ ein Kind zwangsweise an eine Förderschule zu überweisen, bleibt der Elternwille ausgehebelt“, sagte SPD-Schulexpertin Frauke Heiligenstadt. Die Grünen-Abgeordnete Ina Korter bemängelte den Erhalt der Förderschulen. „Damit wird eine Doppelstruktur geschaffen, die extrem teuer ist.“

Bremen setzt seit 2010 auf gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern. Alle 74 Grundschulen, die 31 Oberschulen und zwei Gymnasien bieten Inklusionsklassen an. Die Förderzentren werden nach und nach aufgelöst.

Zurzeit lernen 550 geistig behinderte Kinder an Regel- und Berufsschulen in Bremen. Bei lernbehinderten, sprachgestörten und verhaltensauffälligen Kindern können die Eltern selbst entscheiden, ob sie eine Förder- oder eine Regelschule wählen.

Im vergangenen Schuljahr entschieden sich 62 Prozent für eine Regelschule, in diesem Schuljahr waren es 87 Prozent. (lni)

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