Kritik am Land Niedersachsen

Eltern und Lehrer üben schwere Kritik wegen mangelnder Corona-Vorsorge

Sie beklagen fehlendes Personal, mangelhafte Hygienevorsorge und schlechte Ausstattung: Mit Sorgen blicken Eltern und Lehrer wegen steigender Corona-Ansteckungen auf den Schulstart.

  • Niedersachsen dürfe die Verantwortung für die Bewältigung der Corona-Folgen nicht den Schulen auferlegen
  • GEW-Vorsitzende mahnte Ministerium und Schulen
  • Es gibt teilweise große Personallücken in Niedersachsen

Hannover – „Eine personelle Unterstützung für einen wirksamen Infektionsschutz gegen Corona an den Schulen oder verpflichtende Zwischenreinigungen sind nicht vorgesehen“, kritisierte die Vorsitzende des Landeselternrats (LER), Cindy-Patricia Heine, am Dienstag in Hannover. „Händewaschen ist das A und O“, meinte die Landeschefin der Lehrergewerkschaft GEW, Laura Pooth. „Es ist erschütternd, dass dafür die Grundlagen fehlen.“

Schulstart in Niedersachsen: Land dürfe die Verantwortung für die Bewältigung der Corona-Folgen nicht den Schulen auferlegen

In einer Umfrage der GEW hatten im Juli 29 Prozent der 2700 teilnehmenden Lehrkräfte die Frage verneint, ob an ihrer Schule „ausreichend Waschbecken, Seife und Einmal-Handtücher“ gebe. Gegenüber Mai habe sich der Wert nur leicht verbessert. „Wir erwarten jetzt einen Schlussspurt der Schulträger“, forderte Pooth.

Es dürfe nicht sein, dass das Land Niedersachsen die Verantwortung für die Bewältigung der Corona-Folgen den Schulen auferlege, schimpfte auch LER-Chefin Heine. „Das Fehlen einheitlich gültiger Standards sorgt für eine große Ungleichheit zwischen den Schulen.“ Kultusminister Grant-Hendrik Tonne (SPD) stelle dies dagegen als „notwendige und angeblich gewünschte Flexibilisierung“ dar.

Schulstart in Niedersachsen: Pooth mahnte Ministerium und Schulen

Der Ressortchef hatte sich am Vortag mit den Verbänden getroffen. Dabei waren sich laut Pooth alle einig, dass trotz Corona so viel Präsenzunterricht wie möglich richtig und wichtig sei. „Lernerfolg basiert auf Austausch“, erklärte die GEW-Vorsitzende. Nur so ließen sich soziale Kompetenzen und Teamfähigkeit aneignen. „Das geht nicht allein zu Hause am Rechner.“

Pooth mahnte Ministerium und Schulen in Niedersachsen, nicht mit voller Wucht in den Unterricht einzusteigen und sofort den aktuellen Leistungsstand der Schüler zu ermitteln. „Man kann den verpassten Stoff nicht einfach eintrichtern.“ Die Schulen bräuchten Zeit und Flexibilität, um sich an den neuen Alltag zu gewöhnen. Das richtige Abstandhalten, Lüften und eine risikoarme Pausen-Organisation müssten erst gelernt werden.

Laura Pooth, GEW-Landesvorsitzende.

Schulstart in Niedersachsen: Teilweise große Personallücken

Die GEW befürchtet zum Start des Schuljahrs erneut große Personallücken. Von den 2338 neu ausgeschriebenen Stellen hätten voraussichtlich zehn Prozent nicht besetzt werden können. „Das klingt gut, ist es aber nicht“, so Pooth. Denn der Bedarf liege bei 2800 Posten. Darunter leide die Unterrichtsversorgung. Nicht nur wegen Corona.

Das Land Niedersachsen tue viel zu wenig für die Attraktivität des Lehrerberufs und beschönige den Mangel. Dazu komme, dass die landesweite Verteilung sehr unterschiedlich ausfalle. So bliebe im Bezirk Lüneburg ein Drittel der Stellen unbesetzt. Besonders übel sehe es an Haupt-, Real- und Oberschulen aus.

Schulstart in Niedersachsen: Land müsse deutlich mehr in Personal und Ausstattung der Schulen investieren

So fielen nicht nur viele Stunden aus, sondern es werde vielerorts auch zur kompletten Streichung des Ganztagsangebots kommen, prophezeite Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbands Niedersächsischer Lehrkräfte. „Hier hätte schon viel früher vonseiten des Kultusministeriums gehandelt werden müssen.“ Neumann forderte flächendeckende Corona-Tests für alle Lehrkräfte.

Einig waren sich die Verbände, dass das Land Niedersachsen deutlich mehr in Personal und Ausstattung der Schulen investieren müsse. „Die Bildungsausgaben müssen massiv erhöht werden“, verlangte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz. Sparauflagen seien der falsche Weg. Für die Wirtschaft werde alles Mögliche getan, erklärte die GEW-Chefin. „Ein Rettungsschirm für die Bildung fehlt aber.“ (Peter Mlodoch)

Rubriklistenbild: © Peter Steffen/dpa

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