Emden: Am Montag beginnt der Prozess im Mordfall Lena

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Kerzen und Blumen nach der Tat: In diesem Parkhaus in Emden geschah im März das Verbrechen. Der Mord an Lena, Aufrufe zur Lynchjustiz und Ermittlungspannen – wochenlang stand Emden in den Schlagzeilen.

Emden/Aurich. In diesem Jahr können viele Emder die sonnigen Tage nicht unbeschwert genießen. Vor knapp fünf Monaten wurde die elfjährige Lena ermordet - Am Montag beginnt der Prozess gegen Lenas mutmaßlichen Mörder.

Die Tat ereignete sich am helllichten Tag in einem Parkhaus mitten in der Stadt. Wochenlang befand sich Emden im Ausnahmezustand. Das schreckliche Verbrechen, die Internethetze gegen einen ersten Verdächtigen, der sich später als unschuldig herausstellte und die Ermittlungspannen bei der Polizei schockierten nicht nur die Menschen in Ostfriesland.

Inzwischen ist der Alltag in dem 50 000-Einwohner-Ort wieder eingekehrt. Doch wenn am Montag der Prozess gegen Lenas mutmaßlichen Mörder am Landgericht Aurich beginnt, werden die furchtbaren Ereignisse wieder hochkommen - und damit auch viele Fragen: Wieso starb Lena? Und hätte die Tat verhindert werden können?

In dem Parkhaus zeugen keine Spuren mehr von der Tragödie, die sich dort am 24. März abspielte. Ein 18-Jähriger soll Lena in einem abgelegenen Treppenhaus vergewaltigt und dann getötet haben. Den Mord hat er bei der Polizei gestanden, schweigt aber zu den Einzelheiten. Die Blumen und Kuscheltiere neben der Einfahrt sind längst verschwunden.

Einer, der den Emdern dabei hilft, mit dem Verbrechen umzugehen, ist Pastor Manfred Meyer. Unermüdlich hat er die Fragen verunsicherter Eltern beantwortet, mit Lenas Mitschülern über den Tod gesprochen und mit Jugendlichen über den Umgang mit Facebook und dem Internet diskutiert. Der Mord habe die Menschen verändert, sagt er. „Zum positiven. Die Stadt ist näher zusammengerückt.“ Und das Mitgefühl nach wie vor hoch.

Der evangelische Pastor betreut Lenas Familie seit jenem entsetzlichen Abend, an dem ein Parkhauswächter die Leiche des Mädchens fand. Immer wieder erkundigen sich Bürger bei Meyer, wie es der Mutter, dem Stiefvater und dem Bruder gehe. Noch immer erhalten sie Beileidsbriefe und Spenden.

Lenas Familie ist mittlerweile aus Emden weggezogen, lebt aber weiterhin in der Region. Trotz allem bleibt Ostfriesland ihre Heimat. „Für sie beginnt mit dem Prozess eine ganz schwere Zeit“, sagt Meyer. Am ersten Prozesstag sollen die Mutter und der Stiefvater als Zeugen aussagen. Der Seelsorger wird sie bei diesem schmerzlichen Gang vor Gericht begleiten. Dort muss sich der Angeklagte auch wegen der versuchten Vergewaltigung an einer Joggerin verantworten, die wie Lenas Mutter in dem Prozess als Nebenklägerin auftritt. (dpa)

Von Irena Güttel

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