Vor 20 Jahren wurde in Bad Grund das letzte Erzbergwerk im Harz geschlossen

Das Ende einer Epoche

Erinnerung an 1000 Jahre Bergbautradition: Horst Draheim vom Vorstand des Bergbaumuseums vor der ehemaligen Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund. Mit ihr wurde vor 20 Jahren das letzte Erzbergwerk im Harz geschlossen. Foto: dpa

Bad Grund. Richard Laux kann sich noch gut erinnern: „Als in Bad Grund die beiden letzten Förderwagen mit Erz aus dem Berg rollten, spielte einer Bergmannskapelle“. Das war am 28. März 1992. Nicht nur für Laux, der 42 Jahre als Bergmann in der Grube geschuftet hatte, ging heute vor 20 Jahren eine Epoche zu Ende, sondern für den ganzen Harz: Das letzte Erzbergwerk war geschlossen.

Fünf Jahre Verspätung

Aus Sicht des Grubenbesitzers, der früheren Preussag AG, kam diese Schließung eigentlich mit fünf Jahren Verspätung. Die „Hilfe Gottes“ sollte ursprünglich schon 1987 dicht gemacht werden. Doch 600 Demonstranten, darunter die Mitglieder der Bergmannskapelle, waren nach Hannover gezogen, wo sie dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht 19 000 Unterschriften für den Erhalt des Bergwerks übergaben. Die Aktion hatte Erfolg – allerdings nur vorübergehend. 1992 war dann endgültig Schluss.

Der weitere Bergbau, so hatte die Preussag entschieden, war wirtschaftlich nicht mehr zu vertreten. Für Bad Grund, sagt der heutige Bürgermeister Harald Dietzmann, sei die Schließung ein schwerer Schlag gewesen. Das Bergwerk war mit zuletzt rund 380 von einst 1000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber des Ortes, der damals noch etwa 3400 Einwohner hatte. Dietzemann: „Dieser Verlust ist heute noch spürbar.“

Zum Schluss wurden in Bad Grund jährlich noch gut 400 000 Tonnen Blei- und Zinkerz aus mehr als 700 Metern Tiefe geholt, erinnert sich Richard Laux. Insgesamt wurden etwa 19 Millionen Tonnen Erz gefördert, aus denen mehr als eine Million Tonnen Blei, 700 000 Tonnen Zink und 2500 Tonnen Silber gewonnen wurden.

Bergbaumuseum

„Die Menschen in Bad Grund fühlen sich noch heute der Tradition des Bergbaus verpflichtet“, sagt Dietzmann. „Bei Festen zum Beispiel tragen viele noch die alten Bergmannsuniformen.“ An die Bergbaugeschichte des Ortes erinnert auch das Bergbaumuseum mit seinem Wahrzeichen, dem im Jahr 1912 errichteten fast 50 Meter hohen Hydrokompressoren-Turm. Damit wurde jahrzehntelang Druckluft für die Maschinen in der Grube erzeugt.

„Mit den Besucherzahlen des Museums sind wir allerdings nicht zufrieden“, klagt Laux, Vorsitzender des Fördervereins. Die Konkurrenz der großen Bergbaumuseen in Goslar und Clausthal-Zellerfeld sei übermächtig. „Statt 20 000 Besucher, die wir zum Überleben bräuchten, kommen jährlich nur 6000.“

Statt vom Bergbau lebt Bad Grund, wo nur noch etwa 2400 Menschen wohnen, inzwischen auch vom Tourismus. Jahrelang seien die Gästezahlen zwar gesunken, sagt der Bürgermeister. „Aber wir haben die Talsohle durchschritten. Es geht langsam wieder aufwärts.“ Vor allem der Weltwald mit seinen zahllosen Baumarten, die vielen Wandermöglichkeiten und das Höhlenerlebniszentrum am Iberg ziehen Gäste an. (lni)

Von Matthias Brunnert

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