Vorschlag der Landesschülervertretung

Steht in Hessen das Ende der Hauptschulen bevor?

Kassel/Wiesbaden. Seit September läuft der Hessische Bildungsgipfel, im Juli sollen die Ergebnisse präsentiert werden. Eines von fünf zentralen Themen ist die Gestaltung von Schule. Mit dem Vorschlag einer neuen Schulform bekommt die Landesschülervertretung viel Lob - aber erntet auch Kritik.

Schüler der Haupt- und Realschulen sollen künftig bis zur sechsten Klasse gemeinsam lernen. Auch im Anschluss soll der Unterricht außerhalb der Hauptfächer gemeinsam stattfinden. Die neue Form soll den Titel "Sekundarschule" tragen.

Diesen Vorschlag hat die Landesschülervertretung (LSV) beim Hessischen Bildungsgipfel in Wiesbaden eingebracht. Betroffen wären die vier reinen Hauptschulen sowie kombinierte Haupt- und Realschulen. Der Vorschlag der Landesschülervertretung wird ernstgenommen, von der Opposition aber auch gleichzeitig stark kritisiert.

Fevzije Zeneli

Fragen, wie der gemeinsame Unterricht konkret aussehen und wie es nach der sechsten Klasse weitergehen soll, beantwortet das Papier nämlich nicht - diesen Anspruch habe es laut LSV aber auch nie erhoben. Kritik an dem Papier sei daher unangebracht, da „wir auf Basis dessen weitere Debatten wünschen“, sagt die 17-jährige Fevzije Zeneli, Vorsitzende der Landesschülervertretung. Klar ist aber: den Haupt- und den Realschulabschluss soll es auch in Zukunft geben.

Aus Sicht der LSV selektiert das bisherige Schulsystem zu früh aus. „Junge Menschen gelangen auf Schulen, die ihnen nicht mehr alle Abschlussoptionen offen halten“, sagt Fevzije Zeneli auf Anfrage unserer Zeitung. Bisher wird Schülern nach der Grundschulzeit eine Empfehlung für Haupt- oder Realschule oder für das Gymnasium ausgesprochen.

Die Hauptschule sei „eine Schulform, bei der schon der Name für Unbehagen sorgt“, sagt Zeneli. Sie ist das „Ende der Einbahnstraße Schulsystem, eine Resteschule“.

Den Vorschlag der Schüler hält der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) für „mutig, klug sowie eine mögliche Grundlage für eine parteiübergreifende Verständigung. Sie hat Bewegung in die Beratungen des Bildungsgipfels gebracht und die weitere Diskussion auf die entscheidenden Fragen gelenkt“. Gräben in der Schulpolitik könnten so überwunden werden. Faktisch bedeute das aber auch das Ende für die eigenständige Hauptschule, sagte Lorz gegenüber der FAZ.

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Das sieht die Opposition anders. Außer einer Zusammenführung von zwei Schulformen in einem Gebäude seikeine Bewegung erkennbar, sagt Christoph Degen, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Lobt Schüler: Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU).

Zudem seien nur zwei Prozent der Schüler von dem Modell betroffen. Die Lehrergewerkschaft GEW unterstützt diesen Kritikpunkt. Das Modell greife die Grundprobleme nicht an, sagt GEW-Vorsitzender Jochen Nagel auf Anfrage unserer Zeitung.

Zur möglichen Kritik, dass das gemeinsame Lernen leistungfähigere Schüler beeinträchtige, sagte Schülervertreterin Zeneli: „Dieser Annahme liegt der Irrglaube zu Grunde, dass äußere Differenzierung gut sei für den Lernerfolg.“ Studien und Vergleiche aus nordischen Ländern untermauern laut LSV ihre These.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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