Ende der Kuschelzeit

Dax stürzt über vier Prozent ab: Was Anleger wissen sollten

Verluste auf breiter Front: Die Börsen brachen gestern ein. In Frankfurt ging es zeitweise um fünf Prozent bergab. Foto: afp

Die Kuschelzeit an der Börse ist vorbei. Was bedeutet die Tahlfahrt für die Wirtschaft, und was sollten Anleger tun? Dazu Fragen und Antworten.

Ist der Kursrutsch schon ein Crash? 

Es gibt keine klare Definition, wann ein Kursrückgang ein Crash ist. Seit seinem Rekordstand von 12 390 Punkten im April dieses Jahres bis zu seinem Tiefpunkt gestern hat der Dax rund 2800 Punkte eingebüßt. Das waren fast 23 Prozent und etwa soviel, wie der US-Leitindex Dow Jones am schwarzen Montag, dem 19. Oktober 1987 verloren hat. Der Unterschied: Der Dax sackte nicht von einem Tag auf den anderen so stark ab.

Wie bewerten Experten den Kurssturz? 

Viele Experten halten ihn für übertrieben. Die Konjunkturdaten würden das negative Bild nicht unbedingt untermauern, schreibt der Marktstratege Mislav Matejka von der US-Bank JP Morgan. Der Markt erscheine beinahe überverkauft.

Dann müssen sich Anleger also keine Sorgen machen? 

Das wäre sehr durch die rosa Brille gesehen. Denn ausschlaggebend ist auch, wann Anleger das in Aktien angelegte Geld brauchen. Zudem muss man damit rechnen, dass große Fonds jetzt die Verlustbringer aus ihren Depots werfen. Es könnte also weiter abwärts gehen. Doch wer jetzt all seine Aktien mit Verlust abstößt, zahlt vielleicht drauf. Denn häufig folgt einem Kurssturz schnell wieder der Anstieg - wenn sich die Börsenprofis günstig eindecken. Wahrscheinlich ist in nächster Zeit mit starken Kursausschlägen im Dax zu rechnen.

Wie sollen Sparer dann reagieren? 

Den Markt weiter beobachten und langfristig denken, rät Jürgen Kurz von derDeutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): „Privatanleger sollten sich dividendenstarke Aktien raussuchen und diese mindestens fünf bis zehn Jahre halten. Auch Martin Weber, Professor am Institut für Investmentbanking an der Universität Mannheim, führt die Entwicklung der letzten zehn Jahre ins Feld: „Damals stand der Dax bei 5000 Punkten. Schwankungen sind also normal.“ Grundsätzlich gilt: Je breiter die Geldanlage gestreut ist, desto geringer ist das Risiko. Der Haken an der Sache: Sogar Experten treffen selten den idealen Einstiegszeitpunkt.

Bremst der Kurssturz die Wirtschaft aus? 

Zunächst: Kein Unternehmen verdient schlechter, weil der Kurs seiner Aktien sinkt. Wie es an der Börse weiter geht, hängt auch von der Entwicklung in China ab, die die Weltkonjunktur bremsen könnte. Das bekämen dann die exportorientierten deutschen Unternehmen zu spüren und letztlich der Arbeitsmarkt. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sieht allerdings keine Anzeichen für einen globalen Abschwung und spricht von überzogenen Rezessionsängsten.

Lesen Sie dazu auch:

- Kommentar zum Börsenabsturz: Übers Ziel hinaus

- Neue Verluste: Börsen in China rutschen weiter ab

- China hält Börsen in Atem: Dax rauscht unter 10 000 Punkte

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.