Sprecherin des Landvolks Niedersachsen: "Meisten Landwirte sehen den Wegfall eher als Chance.“

Ziel verfehlt: Ende März ist mit Milchquote Schluss

Kassel/Hannover. Gut 30 Jahre hat die Milchquote die Milchproduktion auf den deutschen Bauernhöfen reguliert, am Monatsende ist Schluss damit.

Die Nachrufe auf das EU-Regelwerk, das Butterberge und Milchseen eindämmen sollte, fallen nicht gerade weinerlich aus.

„Es gibt sicher einige Landwirte, die die Quote auch weiterhin gern gehabt hätten“, sagt Gabi von der Brelie, Sprecherin des Landvolks Niedersachsen. „Aber die meisten Landwirte sehen den Wegfall eher als Chance.“

Mengen frei bestimmen 

Auch Hessens Bauernpräsident Friedhelm Schneider, mit 500 Kühen selbst ein großer Milchbauer, sieht ab April mehr Freiheit im Stall: Die Landwirte könnten nun selbst nach unternehmerischen Entscheidungen ihre Produktionsmengen bestimmen. Bisher mussten Milchbauern eine Strafabgabe zahlen, wenn sie diese überschritten.

Ihr Ziel, verlässliche Einkommen für die Milchbauern zu schaffen, hat die Quote nicht erreicht: Allein seit 2012 schwankte der Erzeugerpreis für ein Kilogramm Kuhmilch, das entspricht nicht ganz einem Liter, zwischen 29,1 und 41,2 Cent. Im Januar lag er nach Schätzung der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (Ami) bei 29,6 Cent.

Dass der Wegfall der Quote der Anfang einer neuen Milchschwemme ist, erwartet von der Brelie nicht: Viehbestände lassen sich nicht von heute auf morgen aufbauen, Ställe nicht sofort finanzieren. Auch hätten viele Bauern ihren Hof bereits vergrößert. Und die Flächen seien bereits knapp, fügt Schneider hinzu. Zudem seien immer weniger Menschen bereit, in der Landwirtschaft zu arbeiten.

Schutz für bäuerliche Kleinbetriebe bot die Milchquote nicht. Seit 1984, dem Jahr ihrer Einführung, gaben in Deutschland fast 80 Prozent der Milchviehhalter auf. Rund 78.000 Betriebe gibt es bundesweit noch, 4,2 Millionen Kühe stehen in ihren Ställen. Niedersachsen ist mit 849.000 Tieren Milchland Nummer eins in Deutschland, der Bestand in Hessen nimmt sich mit 148.300 Milchkühen dagegen bescheidener aus. Große Betriebe hätten am Markt bessere Möglichkeiten, sagt Schneider. Dieser Trend ist nicht neu: Hatte ein hessischer Milchviehhalter im Jahr 2000 noch durchschnittlich 26 Kühe im Stall, sind es heute fast 50. In Niedersachsen hat sich der durchschnittliche Bestand je Hof in der selben Zeit von knapp 40 auf 76 Tiere fast verdoppelt.

Mit einem Umsatz von 28,3 Milliarden Euro und rund 38.000 Beschäftigten ist die Milchwirtschaft nach Angaben des deutschen Bauernverbandes die zweitgrößte Sparte der deutschen Ernährungsindustrie. Knapp ein Drittel ihrer Umsätze erwirtschaftet sie mit dem Export, Tendenz steigend. An welche Molkerei sie liefern können, wissen die Milchbauern - die Abnahme ist ihnen garantiert. Wie viel ihnen ihre Lieferung bringt, wissen sie dann noch nicht: Abgerechnet wird erst nach dem Verkauf an den Handel.

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