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Vermieter dreht Mietern das Warmwasser ab – und bekommt „virale Dresche“

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Von: Moritz Serif, Nail Akkoyun

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Warmes Wasser fließt für manch einen Mieter nur noch zu bestimmten Zeiten (Symbolbild).
Warmes Wasser fließt für manch einen Mieter nur noch zu bestimmten Zeiten (Symbolbild). © Britta Pedersen/dpa/picture alliance

Ein Vermieter dreht seinen Mieter einfach das Warmwasser ab. Das gibt es nur noch zu bestimmten Zeiten. Der Mieterbund schaltet sich ein.

Dippoldiswalde/Berlin – Während die Gaspreise in Deutschland derzeit explodieren, könnte sich die Situation künftig weiter zuspitzen, falls Russland den Gashahn endgültig zudrehen sollte. Um den hohen Kosten entgegenzuwirken, hat eine Wohnungsgenossenschaft im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nun einen drastischen Schritt angekündigt. Darüber hatten unter anderem Bild, ntv und die dpa berichtet.

Mieterinnen und Mieter im sächsischen Dippoldiswalde dürfen künftig nur noch zu bestimmten Uhrzeiten Warmwasser nutzen. Einem Aushang zufolge, der der Bild-Zeitung vorliegt, ist das Warmwasser in den Hauptnutzungszeiten morgens (4 Uhr bis 8 Uhr), mittags (11 Uhr bis 13 Uhr) sowie abends (17 Uhr bis 21 Uhr) verfügbar. Nachts und in den Zwischenzeiten bleibt das Wasser hingegen kalt. Darüber hinaus bleibt die Heizung bis September ausgeschaltet.

Energiekrise: Vermieter dreht Mietern das Wasser ab

„Es geht nicht darum, die Mieter zu ärgern, sondern sich auf das einzustellen, was wir im nächsten Jahr vielleicht sonst nicht mehr bezahlen können“, sagte Vorstand Falk Kühn-Meisegeier. Es gehe lediglich darum, sich ein wenig einzuschränken: „Wir wollen, dass Mieter gut durch diese Krise kommen. Das Leben ist so schon teuer genug.“

Nach Kühn-Meisegeiers Angaben hatte die Genossenschaft mit 600 Wohnungen bereits im April die Höhe der Vorauszahlungen für die Betriebskosten verdoppelt. Die Genossenschaft müsse gegenüber dem örtlichen Energieversorger in Vorkasse gehen. Statt 100.000 Euro seien nun 400.000 Euro fällig.

Energiekrise: Vermieter dreht Wasser ab - und bekommt „virale Dresche“

Bei den Mietern stoße auch die Verringerung der Warmwasserversorgung auf Verständnis. Allerdings beziehe die Genossenschaft in sozialen Medien derzeit „virale Dresche“. „Bei uns wohnen keine Einkommensmillionäre. Die Leute müssen einfach die Preisspirale bewältigen können“, begründete der Vorstand den Schritt.

Der Mieterbund in Sachsen sieht das anders. „Das geht so gar nicht“, sagte Sprecher Florian Bau. Ein Vermieter dürfe nicht einseitig beschließen, das warme Wasser abzudrehen. „Mängelfrei ist eine Wohnung dann, wenn 24 Stunden am Tag warmes Wasser zur Verfügung steht“, erläuterte Bau. Sei das nicht der Fall, könnten Bewohner unter Umständen die Miete mindern. In jedem Fall aber hätten sie einen gesetzlichen Anspruch auf warmes Wasser.

Der Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, Axel Gedaschko, erklärte auf Anfrage: „Die aktuell schwierigen Zeiten erfordern auch schwierige Entscheidungen, die nicht immer nur auf Zustimmung treffen werden.“ (nak/mse)

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