Eon versucht die Kernspaltung: Fragen und Antworten

Auf Nimmerwiedersehen, Atomkraft: Eon will sich künftig auf Erneuerbare Energien konzentrieren. Konventionelle Kraftwerke, wie das Kernkraftwerk Isar hier im Bild, wandern in eine neue Gesellschaft. Archivfoto: dpa

Der Energieversorger Eon schwenkt radikal auf eine neue Strategie um. Das Stammgeschäft mit der konventionellen Stromerzeugung soll bis 2016 in eine neue Gesellschaft ausgegliedert werden.

Doch was bezweckt Eon mit dem größten Umbau der Konzerngeschichte? Fragen und Antworten.

Wie soll Eon nach den Plänen künftig aufgeteilt werden?

Die Kernmarke Eon soll sich auf erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren, beschloss der Eon-Aufsichtsrat am Sonntag. In diesem Bereich arbeiten 40 000 der 60 000 Eon-Beschäftigten. Die konventionelle Stromerzeugung in Kohle-, Atom- und Gaskraftwerken wandert in eine neue, ebenfalls börsennotierte Gesellschaft. Diese soll außerdem den weltweiten Energiehandel, Erkundung und Produktion übernehmen. Offen ist, was aus der Öl- und Gasförderung in der Nordsee wird. Das Geschäft stehe auf dem Prüfstand, sagt Eon-Chef Johannes Teyssen.

Welchen Sinn hat die Rosskur?

Eon reagiert auf die Energiewende. Überkapazitäten haben die Großhandelspreise für Strom gedrückt. In diesem Jahr muss Eon Kraftwerke und Südeuropa-Geschäfte mit 4,5 Milliarden Euro abschreiben. Der Konzern erwartet rote Zahlen. Außerdem hat er 31 Mrd. Euro Schulden, die mit dem gestern besiegelten Verkauf des Spanien- und Portugalgeschäfts nicht abzubauen sind. Kurz: Mit dem Abschied von Atom, Kohle und Gas wird Eon ein großes Problem los.

Warum sollten sich dann Investoren für die neue Tochter finden?

!Damit sie nicht nach Resterampe aussieht, bekommt sie das Öl- und Gasgeschäft mit dazu. Die neue Gesellschaft soll ohne Schulden starten. Finanzvorstand Klaus Schäfer verspricht eine „solide Finanzausstattung“. Zuerst sollen die Anteile den Eon-Aktionären angedient werden, der Rest soll mittelfristig an der Börse verkauft werden.

Wird die neue Eon-Gesellschaft nicht eher eine Bad Bank für Atommeiler?

!Genau das befürchten Kritiker. Bärbel Höhn, die Energie-Expertin der Grünen im Bundestag, warnte gestern bereits: „Ich befürchte, dass Eon eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss.“ Eon erklärt hingegen, die neue Gesellschaft bekomme die kompletten Atomrückstellungen des Konzerns von 14,5 Mrd. Euro mit auf den Weg.

Eon hat wegen des Atom- ausstiegs und der Endlagerkosten mehrere Klagen angestrengt. Ist das jetzt alles vom Tisch?

Absolut nicht. Insgesamt fordern die Energieversorger in ihren Atomklagen Schadenersatz von weit mehr als zehn Mrd. Euro. Außerdem haben sie jüngst dem Bund vorgeschlagen, alle Atommeiler und den Atommüll einer staatlichen Stiftung aufzuhalsen, in die sie einmalig 36 Mrd. Euro stecken wollten. Die Kostendiskussion dürfte jetzt wieder aufleben.

Wie sicher sind die Arbeitsplätze?

Der jetzige Umbau werde keine negativen Folgen für die Beschäftigten haben, schätzt die Gewerkschaft Ver.di. Tatsächlich haben die Beschäftigten harte Zeiten hinter sich. Mehr als 10 000 Stellen weltweit wurden bei einem Sparprogramm gestrichen.

Von Barbara Will

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