Bis zu 9000 Euro für manipulierte Fahrzeuge in den USA

VW-Abgasskandal: Chef Müller warnt vor drastischen Folgen

Wolfsburg. VW-Chef Matthias Müller warnt vor drastischen Folgen, falls der Konzern im Abgasskandal Kunden in Europa nach US-Vorbild entschädigen müsste.

In den Staaten will VW für jedes manipulierte Auto umgerechnet bis zu knapp 9000 Euro zahlen.

Abgasbetrugs-Opfer sollen wählen, ob VW ihre Wagen zurückkauft oder umrüstet. Die Einigung mit US-Behörden, Kunden und Klägern könnte bis zu 15 Mrd. Dollar kosten. Das will Müller in Europa verhindern. Die Sachlage sei anders: „In den USA sind Grenzwerte deutlich strenger“, so werde auch die Nachrüstung komplizierter. Zudem sei die Rückruf-Teilnahme in den USA freiwillig, anders als bei uns, so der VW-Chef.

Klaus Müller

Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes in Berlin, meint dagegen: „Schummeln und betrügen, das geht gar nicht. Viele Verbraucher haben bestimmte Wagen in dem Glauben gekauft, sie seien besonders schadstoffarm. Nachbesserungen kommen nur schleppend in Gang. Ob sie die Probleme beheben, ist nicht immer eindeutig nachvollziehbar.“

Versuche, auch hierzulande Entschädigung zu holen, gibt es verschiedene. Überblick:

• Zivilklage

Das Landgericht (LG) München I hat laut Internetportal Finanztipp zugunsten eines Käufers entschieden: Der VW-Händler musste das abgasmanipulierte Auto zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten abzüglich eines Nutzungsersatzes für knapp 30 000 gefahrene Kilometer (LG München I, Az. 23 O 23033/15). Ähnlich urteilte das LG Lüneburg (4 O 3/16). Anders entschieden die Landgerichte Bochum und Münster - unter anderem mit dem Argument, der Sachmangel sei geringfügig (LG Bochum, Az. I-2 O 425/15; LG Münster, Az. 11 O 341/15).

Wertverlust des Autos, Änderung von Leistung und Verbrauch - das können Zivilkläger in Deutschland vorbringen. Juristisches Problem: Seinen Schaden beweisen muss jeder im Einzelfall selbst. Wo Kunden punkten, dürften diese Fälle von VW durch alle Instanzen getrieben werden.

• Vergleich mit Druck

Die US-Anwaltskanzlei Hausfeld, auf Sammelklagen spezialisiert und aus Verfahren um die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter bekannt, tritt in Deutschland an. In Kooperation mit einem Prozessfinanzierer lässt sich Hausfeld über eine Homepage Ansprüche von Autofahrern abtreten, die Volkswagen, Audi, Porsche, Seat und Skoda mit EA- 189-VW-Motor fahren. Mit möglichst vielen solcher Aufträge will Hausfeld dann in Wolfsburg verhandeln. Ziel: bis zu 5000 Euro Schadenersatz pro Auto. Ohne Kosten für Einzelkunden: „Erst wenn VW zahlt, erhalten wir eine Erfolgsprovision von 35 Prozent.“

• Stiftung will Einigung

Auch eine Stiftung in den Niederlanden (Stichting Volkswagen Car Claim) bietet europäischen Autofahrern an, Entschädigungsklagen zu bündeln. Die Stiftung sucht eine Einigung, will notfalls auf Grundlage niederländischen Rechts aber auch klagen.

Bis gestern hat die Stiftung nach eigenen Angaben via Internet über 100 000 Betroffene aus 28 Ländern gesammelt. Neu ist die Kooperation mit der Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz: Man plant unabhängige Fahrzeugtests in der Schweiz. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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