Robert Kruse, neuer Präsident der Polizeidirektion Göttingen, will auch die Zivilcourage der Bürger stärken

Entschlossen gegen Extremisten

Oberster Polizist in Südniedersachsen: Robert Kruse ist neuer Präsident der Polizeidirektion Göttingen. Er folgt auf Hans Wargel, der jetzt Chef des Verfassungsschutzes ist. Foto: Jelinek

Göttingen. Robert Kruse arbeitete sich gerade im Präsidium an der Groner Landstraße ein, da wurde der neue Chef der Polizeidirektion (PD) Göttingen bereits mit einem der größten Probleme der Universitätsstadt konfrontiert: dem politischen Extremismus.

Anhänger der linksautonomen Szene, darauf gibt es konkrete Hinweise, verübten Mitte Januar den Brandanschlag auf das Göttinger Landratsamt, um damit gegen die Abschiebung von Roma in das Kosovo zu protestieren. Dabei wurde ein Mitarbeiter der Behörde leicht verletzt.

„Wenn sich die Erkenntnisse verdichten, dann haben wir es hier mit einem Qualitätssprung bei der linksextremen Gewalt zu tun“, sagt der 54-Jährige, der zuletzt Vizepräsident des Landesamtes für Verfassungsschutz war.

Doch trotz des Anschlags auf die Ausländerbehörde und der Tatsache, dass in der letzten Zeit in Göttingen wieder mehrere Luxusautos in Flammen aufgingen, ist nach Auffassung Kruses kein Strategiewechsel auf Seiten der Polizei erforderlich.

„Göttingen ist nach Berlin und Hamburg der dritte Brennpunkt.“

Robert KRUSE zu den Brandanschlägen Auf Luxusautos

„Wir sind hier bereits sehr intensiv tätig“, betont der neue Chef, der im Umgang mit Links- und Rechtsextremisten die Linie seines Vorgängers Hans Wargel fortsetzen will. „Wir werden weiterhin sehr konsequent vorgehen und deutlich machen, dass wir nicht gewillt sind, Rechtsverstöße hinzunehmen.“

In seinem neuen Amt will der drahtige Mann mit dem festen Händedruck das Thema Zivilcourage forcieren. Kruse will die Bürger - im Bereich der Polizeidirektion Göttingen leben 1,3 Millionen Menschen - motivieren, gegen Unrecht einzuschreiten. „Wir haben nun mal nicht an jeder Ecke Polizei“, betont Kruse, der seine Karriere vor 33 Jahren beim Bundeskriminalamt begonnen hat und sich selbst als „gewachsenen Polizisten“ bezeichnet.

Er plant einen „Zivilcourage-Tag“, will jugendliche Busbegleiter schulen und ist auch offen für eine neue Form der Präventionsarbeit, wie sie vor kurzem in Göttingen erprobt wurde: In der Innenstadt wurde mit gespielten Gewaltszenen die Reaktion, mithin also die Zivilcourage der Passanten getestet.

In Hildesheim hat der neue Chef von fast 2900 Mitarbeitern vergangene Woche die Führungskräfte der fünf zur PD Göttingen zählenden Inspektionen kennengelernt.

Er wolle „starke Inspektionsleiter“, unterstreicht Kruse, der einen „kooperativen Führungsstil“ praktizieren will. Demnächst wird er beginnen, seinen Zuständigkeitsbereich zu bereisen. Knapp drei Mal so groß wie das Saarland, ist das Gebiet alles andere als homogen: ländliche Räume wie Hameln-Pyrmont/Holzminden gehören ebenso dazu wie die Großstadt Göttingen. Entsprechend unterschiedlich sind die Schwerpunkte der polizeilichen Arbeit.

Auch wenn Beamte immer häufiger attackiert werden, setzt der neue Polizeipräsident weiter auf den Freund und Helfer in Uniform. „Die Entwicklung alarmiert uns, doch in der Masse werden wir noch immer akzeptiert.“

Von Peter Ketteritzsch

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