Erbitterter Streit um Torfabbau in Niedersachsen

Torfabbau: Unser Bild zeigt die Arbeit auf einem historischen Moorhof im Kreis Osterholz-Scharmbeck. Foto: dpa

Hannover. Für die einen ist es viel zu viel, für die anderen viel zu wenig: Die Pläne der niedersächsischen CDU/FDP-Regierung zum Torfabbau stoßen sowohl bei Umweltschützern als auch bei der Gartenbauindustrie auf empörte Ablehnung.

Die Grünen fürchten um den Klimaschutz, die Unternehmen warnen dagegen vor dem Verlust von Tausenden Jobs. Am morgigen Freitag prallen die Interessen im Agrarausschuss des Landtags aufeinander.

Von einer „umweltpolitischen Mogelpackung“ wettert Grünen-Fraktionsvize Christian Meyer, von einer „dreisten Irreführung“ der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Nabu, Holger Buschmann. Vor gut einem Monat hat das schwarz-gelbe Kabinett in Hannover das neue Raumordnungsprogramm (LROP) abgesegnet. Darin geht es um Küstenschutz und Stromtrassen, aber eben auch um Rohstoffgewinnung. Das LROP legt für Sand, Ton, Kies und vor allem Torf sogenannte Vorranggebiete fest - Flächen, auf denen künftig die Naturstoffe gewonnen werden können und dürfen.

22 903 Hektar Torfböden sind im laufenden Plan ausgewiesen, auf 25 907 sollten diese noch vor einigen Jahren anwachsen. Nach Protesten von Kommunen, Anwohnern und Umweltschützern, aber auch von Landwirten, die um ihr Grünland bangten, machte der zuständige Agrarminister Gert Lindemann (CDU) einen Rückzieher. Er schränkte die Vorranggebiete jetzt sogar ein. Im neuen LROP sind dafür nur noch 21 450 Hektar vorgesehen. Als „eine zukunftsgerichtete Konzeption“ für Belange von Naturschutz Landwirtschaft feiert der Ressortchef die Reduzierung.

Grüne und Nabu sehen das ganz anders. „Anstatt den Torfabbau zu beenden, werden mehr als 1000 Hektar Moorfläche zusätzlich der Zerstörung preisgegeben“, schimpft Meyer. Seine Rechnung: Viele Flächen seien nur deshalb rausgefallen, weil sie bereits vollständig abgetorft seien. Diese dürfe man gar nicht mehr mitzählen. Auch Buschmann wirft der Landesregierung Trickserei vor; in der Realität kämen etliche neue Gebiete hinzu, etwa das „Posthauser Moor“ im Landkreis Verden mit 108 Hektar.  

Naturschutz führt auch die Torfindustrie als Argument ins Feld - allerdings für einen verstärkten Abbau. Nur abgetorfte Flächen könnten wiedervernässt und dadurch später auch wieder zu wertvollen Mooren werden.

Jetzt würden die nicht ausgewiesenen Vorranggebiete vor allem für eine intensive Landwirtschaft genutzt - mit viel größeren Auswirkungen auf die Umwelt, meint Tanja Constabel von der Bundesvereinigung Torf- und Humuswirtschaft. Sie warnt vor einem schleichenden Sterben des heimischen Wirtschaftszweiges, der in etwa 70 Abbaubetrieben rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt.

Von Peter Mlodoch

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