Erdbebengefahr: Die Niederlande müssen Gasproduktion drosseln

Niederlande: Gericht verschärft Förderdrosselung - Hannover: Lage mit Niedersachsen nicht vergleichbar

Den Haag / Hannover. Die Niederlande müssen nach einem höchstrichterlichen Urteil ihre Gasproduktion noch viel stärker drosseln als bisher geplant. Wegen der hohen Erdbebengefahr dürften in der nördlichen Provinz Groningen in den kommenden zwölf Monaten maximal 27 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert werden, urteilte gestern der Hohe Rat in Den Haag. Damit gab das Gericht Dutzenden von Klagen von Bürgern, Kommunen und Verbänden statt.

Das Urteil dürfte auch im nahen Niedersachsen hellhörig machen: In Deutschlands Erdgasregion Nummer eins sind Fördermengen zwar deutlich kleiner als jenseits der Grenze, Folgen von Beben ebenfalls. Die Region zwischen Bremen und Hannover registrierte seit 1977 aber 60 Beben, davon 37 oberhalb der Wahrnehmungsschwelle. Seit 2014 existiert eine Schaden-Schlichtungsstelle.

Das bislang letzte Beben meldete Hannover am 14. August 2015 aus Bothel (Landkreis Rotenburg). Schwerere Beben - teils mit Gebäudeschaden-Meldungen - gab es in Emstek/Cloppenburg (19.12.2014), Lokalmagnitude 3,1 ML, davor in Syke/Diepholz (1.5.2014), 3,2 ML, und in Völkersen/Verden (22.11.2012), 2,9 ML.

Zusammenhänge zwischen Gasförderung und Beben nennt die Landesregierung zwar „sehr wahrscheinlich“. Die Lage sei geologisch aber mit Groningen nicht vergleichbar - „die Fördermenge geht derzeit ohnehin Jahr für Jahr in Niedersachsen zurück“, hieß es im Wirtschaftsministerium am Abend auf Anfrage. Auch wolle das Land Beweislastumkehr bei Bergschäden, man dränge auf Gesetzesänderungen in Berlin.

Peter Immekus (Bergheim/NRW), Schaden-Sachverständiger und Che des Bundesverbandes bergbauunabhängiger Fachleute (BBUF), warnte im Juli dennoch: Je intensiver und tiefer die norddeutschen Erdgas-Lagerstätten ausgebeutet würden, desto höher sei die Bebengefahr, sagte er dem Spiegel. Nähmen Häufigkeit und Intensität der Beben auch hierzulande zu, sollte es die deutsche Gasindustrie den Niederländern nachmachen, sagte Andreas Mattfeldt, CDU-Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Verden/Osterholz dem Magazin.

Für Groningen hatte die Regierung in Den Haag wegen des Bebenrisikos und Schäden, die in die Milliarden gehen sollen, die Jahresfördermenge auf 33 Mrd. Kubikmeter gekappt. So viel sei nur bei extrem strengem Winter zulässig, urteilte das höchste Verwaltungsgericht. Zehntausende Bürger hatten über die Jahre Bebenschäden gemeldet - bis hin zur Einsturzgefahr ihrer Häuser. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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