Kommentar zum Tarifabschluss: Erfolg mit Wermutstropfen

Stefan Vetter über den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst

Der Tarifabschluss für 800 000 Angestellte der Länder steht. Ein voller Erfolg ist er jedoch nicht, denn die Lehrergewerkschaft GEW ist ausgeschert - ein Kommentar von Stefan Vetter.

Nach einer längeren Warnstreikwelle gibt es endlich einen Tarifabschluss im öffentlichen Dienst der Länder. Und der kann sich sehen lassen. Insgesamt 4,4 Prozent mehr Gehalt in zwei Stufen, aber praktisch innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten - das ist gar nicht so weit von den gewerkschaftlichen Ursprungsforderungen entfernt und damit ein ordentlicher Erfolg für Ver.di & Co.

Ein Wermutstropfen bleibt. Die Lehrergewerkschaft GEW ist ausgeschert, weil sie keine Lohnangleichung zwischen angestellten und verbeamteten Pädagogen erzwingen konnte. Ein bisschen erinnert das an den Tarifkonflikt bei der Bahn. Dort kochte die Eisenbahnergewerkschaft GDL lange Zeit ihr eigenes Süppchen und lieferte sich einen erbitterten Machtkampf mit der Verkehrsgewerkschaft EVG. Im öffentlichen Dienst liegen die Dinge etwas anders. Tatsächlich ist einem angestellten Lehrer kaum zu vermitteln, dass er trotz gleicher Arbeit und Qualifikation bis zu 18 Prozent weniger verdient als sein beamteter Kollege.

Eine von den Arbeitgebern angebotene Zulage hätte daher zumindest ein Einstieg in die schrittweise Lohnangleichung sein können. Doch das lehnte die GEW rundweg ab, derweil sich Ver.di und der Beamtenbund nicht für die Lehrer verkämpfen wollten. Die gewerkschaftliche Solidarität untereinander ist eben auch nicht mehr das, was sie einmal war.

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