Polizei geht von professionellen Banden als Täter aus

Erneut mehr Einbrüche - Sprunghafter Anstieg im Süden Deutschlands

Berlin / Wiesbaden. Die Zahl der bei der Polizei angezeigten Wohnungseinbrüche ist in den meisten Bundesländern erneut gestiegen. Das geht aus den Daten der Landeskriminalämter für das vergangene Jahr hervor, die derzeit für die Bundestatistik aufbereitet werden.

Eine bundesweite Gesamtzahl liegt noch nicht vor, aber besonders Baden-Württemberg fällt auf: Hier schnellten die Fälle um mehr als 30 Prozent nach oben, auf rund 11.300. In Schleswig-Holstein ging die Gesamtzahl der Wohnungseinbrüche zwar leicht zurück, aber bei den tagsüber begangenen Taten gab es ein deutliches Plus von fast neun Prozent. In Hessen zählte die Polizei 10.795 Wohnungseinbrüche (plus 2,1 Prozent), in Niedersachsen 17.743.

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Die Polizei hatte bereits für das Jahr 2012 eine Zunahme um fast neun Prozent auf bundesweit 144.000 registriert. Für 2013 heißt es nun aus Nordrhein-Westfalen: Mit 54.953 Einbrüchen sei der höchste Stand seit 1995 erreicht. Berlin meldet zwar einen Rückgang, es handele sich aber immer noch um den zweithöchsten Wert seit 2004.

Mancherorts bilden sich Bürgerwehren oder Nachbarn beauftragen private Sicherheitsdienste. Der Kriminologe Thomas Feltes von der Universität Bochum spricht von einem großen Dunkelfeld: Es gebe wesentlich mehr Taten als die registrierten. Seit 2005 gebe es eine „Renaissance des Einbruchs“. Das sei beachtenswert, da die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten insgesamt rückläufig sei. Einbrüche beeinträchtigen die Opfer in ihrem Sicherheitsempfinden erheblich, wie er betont.

Dennoch warnt Feltes vor Panikmache. Die Zahlen seien in früheren Jahren teils deutlich höher gewesen. Er vermutet, dass auch Unterschiede bei der Datenerfassung zu den veränderten Zahlen beitragen.

Die Ermittler wiederum führen die seit einigen Jahren wieder steigenden Zahlen auch auf gut organisierte Einbrecherbanden zurück. „Zunehmend werden überregional und arbeitsteilig vorgehende mobile Intensivtäter und Banden als Tatverdächtige ermittelt“, berichtet das Landeskriminalamt NRW. Die Ermittler im bevölkerungsreichsten Bundesland versuchen unter anderem, bei großangelegten Verkehrskontrollen etwa an Autobahnen Verdächtige aufzuspüren.

Feltes sieht solche Aktionen kritisch und spricht von medienwirksamer Symbolpolitik. „Natürlich haben wir diese sogenannten Banden - aber nicht in dem Umfang, wie die Politik es glauben machen will.“ Der typische Einbrecher sei jung, männlich und drogenabhängig. Oft schlügen Einbrecher im eigenen sozialen Umfeld zu.

Eine deutlich sinkende Zahl von Wohnungseinbrüchen verzeichnet Bremen. Sie ging binnen eines Jahres um 12,1 Prozent auf 2577 zurück. Laut Innensenator Ulrich Mäurer sei die Nachbarschaft aufmerksam und trage oft dazu bei, dass Täter gestört würden. (dpa)

Schutz vor Einbrechern

Wie man sich gegen Einbruch schützen kann, erläutert die Initiative „Nicht bei mir!“:

Anwesenheitssimulation: Zeitschaltuhren steuern Rollläden, Zimmerbeleuchtung, das Radio oder den Fernseher so, dass ein normaler Betrieb vorgetäuscht wird.

Eine nach außen gut sichtbare Alarmanlage. Reine Attrappen werden Profis aber wohl kaum abschrecken, Gelegenheitstäter aber schon.

Anrufbeantworter abstellen, wenn jemand im Hause ist. Auf keinen Fall Ansagen wie: „Wir sind für zwei Wochen im Urlaub.“

Einbruchhemmende Türen und Fenster. Über ein Drittel der Einbruchsversuche scheitern an Sicherheitstechnik.

www.nicht-bei-mir.de

Von Michael Kieffer

Rubriklistenbild: © dpa

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