Erregter Streit um Hirnforscher

Tierschützer greifen Wissenschaftler der Uni Bremen an

+
Im Labor: Ein Langschwanzmakake bei einem wissenschaftlichen Experiment im Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg. Für Forscher sind Tierversuche unverzichtbar, die Gegner halten sie für grausam und unnötig.

Bremen. Es ist die wutentbrannte Spitze einer seit Jahren schwelenden Auseinandersetzung: Tierschützer haben einen Naturwissenschaftler in Bremen in großformatigen Zeitungsanzeigen persönlich angegriffen; der Präsident der Uni Bremen hat in einem öffentlichen Brief in scharfer Form darauf geantwortet.

Bei Verlagen hat die Aktion eine Debatte über die Grenzen der freien Meinungsäußerung ausgelöst.

Im Zentrum des Streits steht der Neurobiologe Andreas Kreiter, der an der Uni Bremen auch mithilfe von Versuchen an Makaken-Affen Hirnfunktionen erforscht. Tierschützer werfen ihm seit Jahren vor, grausam zu sein. Die Auseinandersetzung landete schließlich vor dem Bundesverwaltungsgericht, das Kreiters Versuche im Februar dieses Jahres genehmigte.

In Anzeigen in der Zeit, in der FAZ, im Tagesspiegel und im Weser-Kurier wiederholte nun ein Verein namens „Tierversuchsgegner Bundesrepublik Deutschland“ die Vorwürfe gegen Kreiter mit dem Zusatz, man solle Tierexperimentatoren „nicht leichtfertig Menschen nennen“. Bremens Uni-Präsident Bernd Scholz-Reiter wies das in einem offenen Brief hochempört zurück.

Beim Tagesspiegel hieß es, noch einmal würde man eine Anzeige wie die der Tierschützer vermutlich nicht abdrucken. In Wissenschaftskreisen hat der Vorfall Entrüstung und Unverständnis ausgelöst. Kreiter mache nichts anderes als andere Forscher auch, heißt es. Die Wurzel des Streits sei möglicherweise lokaler Natur: Kreiter arbeite in Bremen, wo auch ein bekannter Tierschützer wohne. (coe)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.