Buschkowsky: Abschottung in Parallelgesellschaften

Von wegen Integration: Bürgermeister redet Klartext

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Straßenszene in Berlin-Neukölln: Was als Multikulti erscheint, kann auch für teils aggressiv abgeschottete Parallelgesellschaften stehen, in denen sich Armut und Gewalt verfestigen.

Berlin. Besser als seine meisten Mitbürger weiß Heinz Buschkowsky, was auf den Straßen Berlin-Neuköllns los ist. Deutschlands bekanntester Bürgermeister, wie ihn sein Verlag nennt, kennt sein Viertel seit bald vierzig Jahren, den ärmeren Norden ebenso wie den bürgerlicheren Süden.

Er hat dort selbst im Sozialamt gearbeitet, hat Streit geschlichtet und Nachbarschaftstreffs eröffnet, er kennt die Kindergärten, Schulen, Jugendheime, Buswartehäuschen, aber auch die Kioskbesitzer, Pfarrer, Lehrer, Polizisten, Staatsanwälte, Richter - und Verbrecher.

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Heute erscheint sein Buch über Neukölln. Und das, was er darin über Ausländer-Integration, den Missbrauch unseres Sozialsystems und oft islamisch geprägte Parallgesellschaften schreibt, ist erschütternd. Er schreibt über Kinder, die zum Klauen erzogen werden, weil ihre Eltern wissen, dass sie erst ab 14 strafmündig sind. Da sind Jugendliche, die von anderen Benutzungsgebühren für Spielplätze erpressen. Da sind Unfall- und Gewaltopfer, die sich nicht trauen, die Polizei anzurufen, weil sich umgehend Freunde des Täters zusammenrotten und das Opfer bedrohen.

Und dann sind da Richter, die es nicht schaffen, den Taten auch Strafen folgen zu lassen. Und Polizisten, die sich zweimal überlegen, ob sie in eine potenziell tödliche Auseinandersetzung eingreifen, weil sie wissen, dass sich beide Parteien gegen sie verbünden würden, bevor sie sich wieder massakrieren.

Hartz IV ja, sonst nichts

41 Prozent der 315.000 Neuköllner haben ausländische Wurzeln. Besonders unter Türken und Arabern sieht Buschkowsky ein teils aggressives Desinteresse am Zusammenleben mit Deutschen - außer an den hiesigen Sozialleistungen, die ganze Familienverbände teils über Generationen hinweg kassieren.

Heinz Buschkowsky wiederholt oft, dass er nie pauschal alle Ausländer oder alle Muslime meint, sondern nur die geschilderten Fälle. Ihm geht es um die Wirklichkeit auf der Straße und um Politik.

Mit seinen Vorschlägen, denen er viel Platz widmet, dürfte er die innenpolitische Debatte der nächsten Wochen stark beeinflussen: Klare polizeiliche und richterliche Kante zeigen. Aber vor allem: Bildungschancen, notfalls den teils völlig des Lesens und Schreibens unkundigen Familien und den Imamen abzutrotzen mit Sanktionen und Regeln. Denn die Zukunft unseres Landes liege nicht auf der Elbchaussee in Hamburg oder am Starnberger See. Sie liege dort, wo viele Kinder sind. Ganz gleich, woher sie kommen: Um sie müsse unsere Gesellschaft ringen.

• Heinz Buschkowsky: Neukölln ist überall, Ullstein, 400 Seiten, 19,99 Euro.

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Von Tibor Pézsa

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