Die Situation im hohen Norden ist äußerst ungewöhnlich – Extreme Wetterlagen prallen aufeinander

Erst sinkt Luftdruck, dann kommt Sturm

Auch Luft hat Gewicht. In Gegenden auf Meereshöhe lastet sie mit einem Druck von 1013 Hektopascal (hPa) auf uns, das entspricht ziemlich genau einem bar und ist etwa halb so viel wie in einem Autoreifen. Ganz konstant ist er nicht, er schwankt vielmehr nach Tageszeit.

Doch Luft bewegt sich, und ihr Druck verändert sich. Wenn die Sonne sie erwärmt, steigt sie auf – ein Tiefdruckgebiet entsteht. Am Boden nimmt der Druck ab und gleichzeitig strömt kühle Luft in die Lücke, die die warme hinterlassen hat – Wind kommt auf. Dieser weht immer von kühleren zu wärmeren Orten. Je größer der Temperaturunterschied ist und je schneller der Luftdruck abfällt, desto heftiger bläst es.

Zurzeit stützt ein Tief über Mitteleuropa ein Hochdruckgebiet über Skandinavien, erklärt der Meteorologe Gunther Tiersch das Wetterchaos am Nordpol. Zudem treffe vor Grönland eisige Luft auf warme. Die Folge: Gestern wurde in der Arktis ein Luftdruck von weniger als 930 Hektopascal gemessen. Zum Vergleich: Normale Sturmtiefs haben einen Druck von 980 Hektopascal. Der tiefste Wert, der in Deutschland je gemessen wurde, lag bei knapp 955 hPa, aufgezeichnet in Emden im Jahr 1983.

Beim Orkan Kyrill, der 2007 über weite Teile Europas fegte und auch in der Region große Schäden anrichtete, wurde ein Luftdruck von nur noch 960 hPa gemessen. Kyrill fegte mit einer Geschwindigkeit von über 150 Stundenkilometern über das Land, entwurzelte Bäume und deckte Dächer ab. Ähnlich verheerend war Lothar, der am zweiten Weihnachtstag 1999 vor allem über den Süden Hessens wütete. Luftdruck damals: 962 hPa.

Wie warm es gerade am Nordpol ist und wie krass die Werte von den üblichen Temperaturen abweichen, sehen Sie hier:

http://zu.hna.de/Erde30

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