Nach „Marsch für unsere Leben“

„Erste-Hilfe-Kurs statt Waffengesetz“: Politiker erteilt US-Schülern irren Rat

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Rick Santorum am Sonntag bei CNN

Hunderttausende sind in den USA für strengere Waffengesetze auf die Straße gegangen. Ein prominenter Republikaner reagiert mit einem irrwitzigen Ratschlag für die Schüler der Nation.

Washington - Das Schulmassaker von Parkland erschüttert die USA - auch noch einen Monat nach der Tat: Mehr als eine Million großteils junge Menschen gingen am Samstag in einem „Marsch für unsere Leben“ auf die Straße. Vor allem die Schülerin Emma Gonzalez rührte dabei die Nation: Die 17-Jährige schwieg bei der Kundgebung sechs Minuten und 20 Sekunden lang am Mikrofon - so lange hatte das Morden in Parkland gedauert.

Die Forderung der Schüler ist klar. Sie verlangten striktere Waffengesetze. "Politiker: Entweder, ihr vertretet das Volk, oder ihr verschwindet“, rief ein weiterer Parkland-Überlebender, Cameron Kasky. 

Mitten in diese Atmosphäre platzte am Sonntagabend ein irritierender Auftritt des früheren republikanischen Präsidentschaftsanwärter Rick Santorum. Er forderte im Sender CNN, die Schüler sollten selbst auf die Massaker reagieren, statt Gesetzesänderungen zu fordern.

Santorum: Schüler sollen selbst auf Attentäter reagieren - und Erste-Hilfe-Kurse belegen

„Wie wäre es, wenn die Kids selbst etwas unternehmen, zum Beispiel Erste-Hilfe-Kurse belegen oder lernen, auf einen Attentäter zu reagieren, statt von jemand anderem eine Lösung für ihre Probleme zu erwarten“, sagte Santorum in dem Interview. 

Anstelle von „heuchlerischen Waffengesetzen“ sei die Lösung „intern“ gegen Amokläufe vorgehen, meinte der Republikaner. Selbst Maßnahmen zu ergreifen, um mit einem gewaltbereiten Schützen fertigzuwerden sei besser, als sich „hinzustellen, zu protestieren und zu sagen ‚oh, jemand muss ein Gesetz erlassen um mir zu helfen‘.“

Twitter-User reagieren heftig

In den sozialen Netzwerken erhielt Santorum heftige Antworten. „Wie wäre es, wenn DU lernst, die Toten zum Leben zu erwecken, in der irrigen Hoffnung, deine politische Karriere zu retten“, ätzte ein User. 

„Ich habe erlebt, wie jemand einen Schuss in den Kopf bekam, als ich mit Jugendlichen in Brooklyn arbeitete. Keine Form von Erster Hilfe hätte die Person retten können“, schrieb eine andere Kommentatorin. „Jeder, der Santorum glaubt, sollte wirklich einen Anatomie-Kurs besuchen.“

Massaker von Parkland kostete 17 Menschen das Leben

Die Republikaner schalten seit Wochen bei der Forderung nach strikteren Waffengesetzen auf stur. US-Präsident Donald Trump hatte zunächst gar vorgeschlagen, Lehrer an US-Schulen mit Waffen auszustatten

Ein 19-Jähriger hatte am 14. Februar an einer High School in der Stadt Parkland 17 Menschen erschossen, darunter zahlreiche Schülerinnen und Schüler. Die Waffen hatte er legal gekauft, obwohl er verhaltensauffällig war. Es war bekannt, dass er seit langer Zeit psychische Probleme hatte.

Lesen Sie auch: Fassungslosigkeit und Tränen in Florida - Parlament lehnt schärferes Waffenrecht ab

fn (mit dpa)

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