Niedersachsens Umweltminister im Schacht Konrad und im Gespräch mit Protestlern

Erste Wahl für Asse-Fässer

Zwielicht unter Tage; Der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner steht am Donnerstag mit Mitarbeitern des Bundesamtes für Strahlenschutz im künftigen Endlager Schacht Konrad in Salzgitter. Foto: dpa

Salzgitter. Ab 2019 soll der Schacht Konrad mittel- und schwachradioaktive Abfälle aus Betrieb und Abriss deutscher Atomkraftwerke aufnehmen. „Der Zug ist auf dem Gleis, und der fährt jetzt“, bekräftigt Umweltminister Stefan Birkner (FDP) gestern bei einem Besuch des ehemaligen Eisenerzbergwerks den Zeitplan. Ob hier später aber Platz für den Atommüll aus dem maroden Endlager Asse sein wird, ist dagegen umstritten.

Unter Tage sind die Arbeiten im Gange. Ein Einlagerungsstollen ist aufgefahren, ein zweiter zur Hälfte. Ab 2019 soll hier, wo noch bis 1976 Eisenerz abgebaut worden war, leicht strahlender Müll aus Atomkraftwerken wie Werkzeuge, Schutzkleidung und Bauschutt dauerhaft gelagert werden. Dazu kommen kontaminierte Abfälle aus Forschungseinrichtungen und dem Medizinbereich.

„Der Schacht Konrad ist das erste und bisher einzige Atommüll-Endlager in Deutschland, das nach atomrechtlichen Standards geplant und genehmigt wurde und jetzt umgesetzt wird“, betont Stefanie Nöthel, Vizepräsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Die Behörde ist der Betreiber der Anlage. Der 2002 vom Umweltministerium erlassene und 2007 abgesegnete Planfeststellungsbeschluss lässt die Einlagerung von 303 000 Kubikmetern Abfällen zu. „Das reicht nicht, um auch noch die Abfälle aus der Asse aufzunehmen“, schiebt die BfS-Vizechefin einen Riegel vor die Diskussion, auch die 126 000 verrosteten Atommüll-Fässer aus dem ehemaligen Salzbergwerk bei Remlingen nach deren Rückholung in 20 bis 30 Jahren 20 Kilometer weiter westlich nach Konrad zu verfrachten. Auch wisse man gar nicht, um welche giftigen Stoffe es sich dort unten wirklich handele.

Für Umweltminister Birkner ist das ehemalige Erzbergwerk erste Wahl für die Asse-Fässer. „Ich gehe davon aus, dass diese Abfälle nach Konrad kommen.“ Wenn das Aufnahmevolumen dort nicht reiche und der Asse-Müll von der bisherigen Genehmigung nicht umfasst sei, müsse man eben einen neuen Planfeststellungsbeschluss erwirken. Platz wäre genügend da. Ursprünglich war Konrad für 600 000 Kubikmeter beantragt, von sechs potentiellen Einlagerungsfeldern werden nur zwei tatsächlich hergerichtet. Den Demonstranten um Landwirt Walter Traube ist selbst das zu viel. „Wir möchten nicht, dass unsere Enkel hier in 20 Jahren stehen und das Gleiche wie bei der Asse erleben müssen“, ruft eine Frau dem Minister entgegen. „Irgendwann und irgendwie kommen die Strahlen wieder raus“, prophezeit Traube. Birkner versucht zu beschwichtigen. Anders als bei der Asse sei bei Konrad alles nach rechten Dingen gelaufen, die Sicherheit für Mensch und Umwelt gewährleistet. Eine halbe Stunde redet der Minister mit den rund 50 friedlichen Protestierern, verspricht totale Transparenz. Überzeugen kann er sie nicht.

Von Peter Mlodoch

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