Essay: Warum die Schüler von heute so „faul“ sind

Die Göttinger Schülerin Irene Arbeiter schreibt darüber, was ihrer Generation vorgeworfen wird.

Ja, ne, ist klar. Früher war sowieso alles besser.

So einen Quatsch habe ich mir als Schülerin sehr oft, zu oft anhören müssen.

Hat man früher nicht genauso Schwierigkeiten gehabt in der Schule wie jetzt auch?

Ich glaube nicht, dass die Schüler sich früher und heute großartig unterscheiden. Sicherlich waren die Lebensumstände anders, aber hatten wir nicht dieselben jugendliche Probleme?

Wer ist „in“, was ist „out“, und wie muss man sich verhalten, um zur angesagten Clique dazuzugehören?

Außerdem befindet man sich in der Pubertät, der Blütezeit des Anti-Seins, des Dagegen-Seins. Uns schwirrt viel im Kopf heraum, was wir selbst nicht richtig einordnen können. Da kommt die Schule wohl nicht an erster Stelle, sie ist ein lästiges, aber auch wichtiges Anhängsel, welches uns von den besorgten Eltern in die Hand gedrückt wird.

Warum wird uns nicht der Raum gelassen, um uns frei zu entfalten?

Es fehlt doch sehr an Verständnis für die Gefühls- und Hormonexplosion in uns. Wir müssen meist funktionieren wie erfahrene Erwachsene, wie Maschinen. Fehlt ein Teil oder gibt es eine minimale Störung, hagelt es Kritik wie ein Monsunregen.

Es fehlt die Zeit zu sein, zu leben und sich nicht in irgendwelche vorgefertigte Formen pressen zu lassen. Es ist nicht möglich einfach jugendlich zu sein, weil der Zug Richtung Zukunft schon abfährt. Wer es nicht schafft aufzusteigen, der hat in unserer Gesellschaft (immer schneller, immer besser) nicht den Hauch einer Chance. Wo ein Mensch beginnt zu straucheln, da wartet schon der nächste hinter ihm, um seinen Platz einzunehmen.

Wir Jugendlichen können nicht perfekt funktionieren, stets das neueste Update auf der Festplatte gespeichert haben, uns stets zu Höchstleistungen aufraffen und uns dabei nebenbei ganz selbstverständlich um Freunde und Schule kümmern.

Es wird mal spät, ein Freund oder eine Freundin hat eine Krise, um die sich gekümmert werden muss, die News unserer Stars sind frisch auf dem Markt und das Buch der berühmten Stephanie Meyer ist noch zu lesen, um dem neuesten Klatsch und Tratsch folgen zu können.

Die Welt der Jugendlichen ist sehr vielschichtig, manchmal verwirrend und bunt wie ein Regenbogen. Es stürmt, schneit und zwischendurch scheint auch mal die Sonne, beinahe paradiesisch.

Und jetzt heißt es, dass wir Jugendlichen von heute faul sind, uns nicht aufraffen können?

Sehr wohl können wir, wollen wir und werden wir uns aufraffen und es unseren Kritikern zeigen, was wir alles in Petto haben. Wir sind nicht faul!

Wir sind die Zukunft und dieser Rolle sind wir uns durchaus bewusst.

Doch bitte, hört auf an uns zu zweifeln, glaubt endlich an uns und gebt uns ein Sprungbrett, um besser in das Meer der Zukunft springen zu können.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.