Trotz Kritik von Merkel

Essener Tafel hält an Aufnahmestopp für Ausländer fest – CSU-Politiker verständnisvoll

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Jörg Sartor (li.), Vorsitzender der Essener Tafel, und Peter Renzel, Essener Sozialdezernent, geben nach einer außerordentlichen Sitzung die Ergebnisse der Tagung bekannt.

Massive Kritik, eine bundesweite Debatte und eine Krisensitzung: Doch die Essener Tafel bleibt vorerst bei ihrem Aufnahmestopp für Ausländer. Merkel kritisiert die Entscheidung, CSU-Politiker zeigen sich verständnisvoll. 

Essen - Nach dem Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel soll nun ein runder Tisch nach Lösungen für die offenkundigen Probleme bei der Arbeit der Tafel in der Ruhrgebietsstadt suchen. In dem Gremium sollen neben der Essener Tafel die Essener Wohlfahrtsverbände und der Verbund der Essener Migrantenselbstorganisationen vertreten sein, wie die Stadt Essen am Dienstag mitteilte. Zunächst bleibt der umstrittene Aufnahmestopp in Kraft.

Nach CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat auch der Innenexperte der Partei, Stephan Mayer, Verständnis für die Entscheidung der Essener Tafel gezeigt, vorerst nur noch Deutsche neu in ihre Kartei bedürftiger Menschen aufzunehmen. Jede Tafel stehe vor der Problematik, dass sie nur eine gewisse Menge an Lebensmitteln und Getränken zur Verteilung habe, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch). „Dabei müssen wir entschieden dem Eindruck entgegenwirken, dass wegen der Migrations- und Flüchtlingskrise und den enormen Mitteln, die der Staat für Flüchtlinge und Migranten aufwendet, hilfsbedürftige Deutsche schlechter gestellt werden und kürzer treten müssen.“

Die Essener Tafel hatte seit dem 10. Januar neue Berechtigungen zum Empfang von Lebensmitteln vorübergehend nur noch für Bürger mit deutschem Ausweis ausgestellt. Begründet wird dies mit einem angeblich zu hohen Anteil an Ausländern, weshalb sich etwa viele ältere Menschen und Alleinerziehende nicht mehr wohlfühlten und das Hilfsangebot nicht mehr wahrnähmen. Den Aufnahmestopp für Ausländer hatte unter anderem auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert. Auch die Fernsehmoderatorin Dunja Hayali hatte der kontroversen Entscheidung ein ausführliches Statement gewidmet.

Diese Hoffnungen werden mit dem runden Tisch verbunden

Nach Angaben der Stadt Essen soll der nun geplante runde Tisch "Lösungsansätze" erarbeiten, damit die Essener Tafel ihre Zielgruppen bestmöglich erreicht. Bei Gesprächen zwischen Tafelbewegung und Stadt am Dienstag habe Einigkeit geherrscht, dass im Fokus der Essener Tafel "ganz besonders Alleinerziehende, Familien mit minderjährigen Kindern und Seniorinnen und Senioren stehen".

Die Beteiligten seien sicher, dass durch die Kooperation am runden Tisch "gemeinsam tragfähige Lösungen für die Zukunft der wichtigen Arbeit der Ehrenamtlichen bei der Essener Tafel erarbeitet werden", hieß es in der Mitteilung der Stadt.

afp/dpa

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