„Berlin brennt“

„Sparen kostet Menschenleben“ - Berliner Feuerwehrmann rechnet kreativ mit der Politik ab

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Feuerwehrmann Christian Köller (Mitte) rappt in einem Musikvideo mit Kollegen über die schwierige Lage der Berliner Feuerwehr. 

Mit einem Musikvideo hofft ein Berliner Feuerwehrmann, die Politik auf die schwierige Situation der Rettungskräfte aufmerksam zu machen. „Jeden Tag sterben Leute wegen euch“, klagt er. 

Berlin - Eine Stahltonne, auf der die Worte „Berlin brennt“ stehen und ein verrücktes Lachen im Hintergrund. Dann eine Stimme: „So lustig ist es gar nicht“. Das sind die ersten Sekunden eines Musikvideos, das in der vergangenen Woche im Netz viral gegangen ist. Denn es ist kein normales Rap-Musikvideo: Der Rapper ist hier ein Feuerwehrmann. Und der Clip ist sein Hilferuf an den Berliner Senat.

„Jeden Tag sterben Leute wegen Euch“

„Berlin Brennt“ ist der Titel des Lieds und Christian Köller heißt der Berliner Feuerwehrmann, der mit vier Kollegen und in voller Montur wütend vor der Kamera steht und rappt. Seine ersten Worte haben eine klare Botschaft: „Jeden Tag sterben Leute wegen Euch, wegen Eurer scheiß Geldpolitik“. Es ist kein Hassvideo: Es sind echte Probleme, auf die Köllner die Aufmerksamkeit der Politik ziehen will.   

„Zahlen und Diagramme können vieles schön reden, doch Fakt ist: Euer Sparen kostet Menschenleben. Bravo!“ Der Feuerwehrmann weißt, wovon er redet: Seit zehn Jahren macht er den Job und muss jeden Tag mit den Konsequenzen der Budgetpolitik arbeiten. 

Die Feuerwehr sei unterbesetzt, jeden Tag müssen die Rettungskräfte ihr Leben riskieren, moniert der rappende Retter. „Und die Politik interessiert‘s einen Dreck“, schreit er empört vor dem Roten Rathaus mitten in Berlin, wo die Feuerwehr vergangenen März eine Woche lang protestiert hatte.

„Feuerwehrmann ist der coolste Job“

„Berlin brennt. Der Senat hat gepennt“, wiederholt er im Refrain. „So sieht Wertschätzung nicht aus“, erklärt Köller im Interview mit dem Tagesspiegel. Ihm gehe es nicht darum, mehr Geld zu verdienen, sondern die Welt zu einem besseren Ort zu machen. „Versteht mich nicht falsch, Feuerwehrmann ist der coolste Job“, sagt der Hobby-Rapper. Doch gerade sei es kein einfacher.

Auch normale Bürger trügen ihre Mitschuld an der Situation. Laut Statistiken nehmen die Notrufe immer mehr zu, doch meistens handele es sich um keine echte Notfälle. „Ruf nicht 112, wenn du Zahnschmerzen hast, ruf 112, wenn dein Leben in Gefahr ist“, rappt Köller. Auch das Problem der wachsenden Attacken gegen Polizisten, Feuerwehrleute und Notärzte wird im Musikvideo thematisiert: „Greif uns nicht an, wir retten Euer Leben, auch wenn wir mal gerade scheiß Laune haben“.

Nur positive Reaktionen im Netz

Nicht nur die Feuerwehr muss mit Schwierigkeiten rechnen: Auch das Gesundheitssystem und die Pflege sind Köllers Meinung nach an ihren Grenzen gekommen. „Es muss was passieren“, fordert der Feuerwehrmann. Und am Ende des Videos steht eine Botschaft geschrieben: „Für alle Feuerwehrmänner, Krankenschwestern, Ärzte und Altenpfleger, die das Sparen mit ihrer Gesundheit auffangen“. 

Die Protestaktion hat eine große Resonanz in den sozialen Medien bekommen: Innerhalb von wenigen Tagen wurde das Lied fast 91.000 mal auf YouTube geklickt. Und von den Usern gibt es fast nur positive Kommentare zu lesen. „Feuerwehrleute sind Helden“, schreibt zum Beispiel einer. Viele andere sind der Meinung, es „brenne“ nicht nur Berlin, sondern ganz Deutschland. Viele User fordern mehr Hilfe vom Staat für die Retter.

Mit einem so großen Erfolg hatte auch Köller nicht gerechnet, denn das Video wurde schließlich in wenigen Tagen von seinem Onkel und anderen Freunden gedreht, ohne professionelle Hilfe, erzählt er dem Tagesspiegel.

Lesen Sie auch: Feuerwehr will Waschbär von Dach retten - doch dann kommt alles anders

fm

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