Rabatte nicht nur für Neuwagen

Diesel-Tausch und Prämien: Das müssen Kunden jetzt wissen

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Viele Dieselfahrer fühlen sich von den Autoherstellern enttäuscht und im Stich gelassen: Doch nun überschlagen sich Hänler und Hersteller oftmals mit einem Rabatt-Feuerwerk. Zudem gibt es diverse Prämien. Doch wer hat überhaupt Anspruch darauf?

Umweltprämie, Tauschprämie, Geld fürs Verschrotten: Wer im Rabatt-Reigen der Autobauer einen neuen oder gebrauchten Diesel kauft, geht davon aus, dass er ein sauberes Fahrzeug erhält und spart.

Aktualisiert um 12.13 Uhr - Das ist aber nicht immer zwingend der Fall, warnt der Verkehrsclub Deutschland. Wir haben Für Sie einen Überblick mit den wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wer kann seinen Diesel tauschen? 

Betroffen sind laut ADAC aktuell 14 besonders stark belastete "Intensivstädte" mit mehr als 50 Mikrogramm NOx pro Kubikmeter Luft im Jahresschnitt: 

  • München
  • Stuttgart
  • Köln
  • Reutlingen
  • Düren
  • Hamburg
  • Limburg
  • Düsseldorf
  • Kiel
  • Heilbronn
  • Backnang
  • Darmstadt
  • Bochum 
  • Ludwigsburg 

Plus X, betont der Club: "Sollten noch andere Kommunen (Frankfurt am Main zum Beispiel und seit dem Urteil vom 9. Oktober 2018 auch Berlin) Verkehrsbeschränkungen planen (müssen), gilt das Privat-Programm auch hier." 

Und was ist mit Pendlern und deren Diesel? 

Einbezogen sind nach Angaben des Clubs immer die Autos direkt angrenzender Landkreise und beliebig entfernt wohnende Pendler, die in der Stadt arbeiten. Auch Selbstständige mit Firmensitz in der Stadt und Autofahrer mit besonderen Härten, sind nach diesen Angaben betroffen - zum Beispiel fallen auch Kranke, die regelmäßig zum Arzt müssen, darunter. 

Was passiert mit den umgetauschten Dieseln? 

Das entscheidet laut ADAC der jeweilige Händler: Im Gegensatz zur Abwrackprämie, die mehr als 200.000 Kunden in Anspruch nahmen, kann der Händler das angekaufte Auto auch weiterverkaufen – etwa in unbelastete Städte und Landkreise oder gar ins Ausland.

Um Fahrverbote für Diesel-Pkw zu verhindern, hat der Bund Maßnahmen beschlossen. Autobauer wollen mit Sonderrabatten für Autokäufer die Luft besser machen. Wie sehen die Details aus? 

Dieselprämie, Abwrackprämie, Hybridprämien - der ADAC hat die Rabatte im Gefolge der Diesel-Abgas-Debatte für die 15 meistverkauften Marken in Deutschland verglichen. Die Summen sind sehr unterschiedlich, auch die Fahrzeuge, die man "eintauschen" kann - ein bisschen unübersichtlich ist das Ganze für Kunden schon: Manche Hersteller nehmen sogar Euro 1- bis 3- und Euro-6-Fahrzeuge in Zahlung, manche nur Modelle der eigenen Marke, oft gelten die Angebote auch bundesweit. So der ADAC: "Jeder Hersteller hat seine eigenen Prämien-Regeln aufgestellt, Kleingedrucktes inklusive". Hier geht es zur Liste des ADAC.

Alles was aktuell neu verkauft wird, ist doch Euro 6. Geht es denn noch besser?

Achtung, Euro 6 hat längst Nachfolger: Wichtig sei, dass das Wunschauto die neueste Abgasnorm 6d-Temp erfüllt, sagt der der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Selbst viele Euro-6-Diesel stießen im Alltagsbetrieb ein Vielfaches der erlaubten Schadstoffmengen aus. Nur mit 6d-Temp seien Diesel-Käufer sicher vor Fahrverboten und hielten die geltenden Grenzwerte für Stickoxide (NOx) ein. VCD-Sprecher Gerd Lottsiepen: „Es darf nicht sein, dass Dreckschleudern ausgetauscht werden gegen Neufahrzeuge aus der Mottenkiste, die im Realverkehr die Stickoxid-Grenzwerte um das Mehrfache reißen.“ Der ADAC attestiert auch Euro-6c-Dieseln schon „viel Erfreuliches“.

Wo findet sich die Abgasnorm im Fahrzeugschein?

In der seit dem Jahr 2006 ausgegebenen Zulassungsbescheinigung stehen im Feld 14.1 folgende Ziffernkombinationen für 6d-Temp: 

  • 36AG
  • 36AH 
  • 36AK
  • auf 6c verweist 36AD

Gibt es Zahlen, wieviel NOx strenger werdende Abgasnormen der Umwelt ersparen?

Der ADAC hat das in langen Testreihen gemessen. Sein Fazit: „Euro-6d-Temp-Diesel stoßen durchschnittlich 76 Prozent weniger NOx aus als Euro-6b-Diesel und 85 Prozent weniger als Euro-5-Diesel. Stichproben bei Messungen auf der Straße haben gezeigt, dass die Schadstoffreduzierung bei guten Euro-6d-Temp-Dieseln im Vergleich zu durchschnittlichen Euro-5-Dieseln sogar bei 95 bis 99 Prozent liegt.“ 149 Euro-5-Diesel im ADAC-Test stießen im Schnitt 528 mg NOx/km aus – auf dem Prüfstand sind 180 mg/km erlaubt. 69 Euro 6b-Modelle bliesen im Schnitt 341 mg NOx/km aus – beim Grenzwert von 80 mg/km.

Was ist außer der 6dTemp-Norm noch zu beachten?

Käufer sollten sich laut VCD schriftlich bestätigen lassen, dass die Abgase bei einem Diesel mit SCR-Kat und bei einem Benzin-Direkteinspritzer mit Partikelfilter gereinigt werden.

Seit wann werden SCR-Kat und Partikelfilter verbaut?

Die meisten neuen Benziner mit Direkteinspritzer dürften wegen schärferer Grenzwerte seit Anfang September 2018 einen Filter besitzen, so der VCD. Vor September 2017 typgeprüfte Neuzulassungen könnten allerdings noch bis 2019 auch ohne Filter verkauft werden. Benziner, Erdgasfahrzeuge und Vollhybride ohne Direkteinspritzung brauchen laut VCD ohnehin keinen Partikelfilter und sind auch als Gebrauchte bereits ab Euro-3-Norm sauber.

Nochmal 6d-Temp: Wo erfährt man, welche Hersteller diese Modelle anbieten?

Der ADAC führt eine Liste, die übers Jahr auf mehrere Hundert 6d-Temp-Autos angewachsen ist. Von Abarth und Alfa Romeo bis Volvo und VW wird das Angebot laufend aktualisiert.

Dieses Video gehört nicht zur HNA, sondern ist Bestandteil der unabhängigen Videoplattform Glomex.

Allerdings wies die FAZ Anfang Oktober auf teils mehrmonatige Lieferzeiten für viele Pkw-Modelle hin: Die reichten beispielsweise von neun Wochen beim Opel Astra über 12 Wochen beim Golf 1,0 l TSL bis zu 32 Wochen beim Audi Q5.

Was muss man zu den seit September 2018 geltenden neuen Abgasmessverfahren wissen?

Falls sie noch nicht im Autohaus ausgewiesen sind, sollten Neuwagenkäufer gezielt nach den im September eingeführten Verbrauchs- und CO2-Angaben fragen, die im neuen WLTP-Messverfahren ermittelt werden. Es liefert realistischere Verbrauchs- und CO2-Angaben, die wiederum entscheiden über die Kfz-Steuer. Klar ist: Weniger geschönte, höhere Verbrauchswerte machen auch die Kfz-Steuer teurer. Nach ADAC-Rechnungen steigt sie für einzelne Modelle um mehr als 70 Prozent. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center an der Uni Duisburg-Essen erwartet im Durchschnitt 50 Euro mehr Kfz-Steuer.

Für einen großen Autobauer, der zu VW gehört, wird es jetzt ziemlich teuer: Audi muss 800 Millionen Euro Diesel-Bußgeld zahlen

6d-Temp: Stufenweise angeschärft

  • 80 mg NOx pro Kilometer – dieser Abgasgrenzwert auf dem Rollenprüfstand gilt für alle Euro-6-Diesel: Innerhalb von Euro 6 legen die Anhänge a bis d strenger werdende Rahmenbedingungen fest, unter denen Grenzwerte einzuhalten sind.
  • Straßenmessungen (RDE) sind sowohl bei Euro 6c als auch bei Euro 6d-Temp zwingend.
  • Großer Unterschied: Bei der 6c-Norm ist in den Straßenmessungen kein Grenzwert vorgegeben, bei 6d-Temp-Dieseln darf der RDE-Wert die NOx-Laborwerte höchstens um den Faktor 2,1 überschreiten. Sprich: Statt 80 mg NOx/km sind hier also maximal 168 mg erlaubt - die hat die Autoindustrie der Politik abgehandelt

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