Leser fragen - Redaktion antwortet

Der Euro ist besser als sein Ruf - Währung hält Inflation gering

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Polizei bewacht Banken: Lediglich an den Automaten gibt es noch Geld, ansonsten sind viele Filialen geschlossen.

Was wollen Sie über die Griechenlandkrise wissen, hatten wir gefragt – hier Teil 3 Ihrer Fragen und unserer Antworten.

Felix Z.: Warum lässt man Griechenland erst Pleite gehen, nachdem die Anleihen der Banken durch Steuergelder aufgekauft worden sind? 

Griechenland hat seinen Wohlstandszuwachs seit 1990 auf einem Schuldenberg aufgebaut. Im Gegensatz zu anderen hochverschuldeten Ländern hat Athen Geld überwiegend für Konsum und nicht für Investitionen ausgegeben. Das hat die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg in ihrem Aufsatz „Ursachen der Krise in Griechenland“ zusammengefasst.

• Seit 2008 hat sich die Staatsverschuldung stark erhöht und betrug 2014 gut 318 Milliarden Euro. Zum Hintergrund: 2008 war das Jahr der Lehman-Pleite und der daraus folgenden weltweiten Finanzkrise. Die Banken wurden von den Staaten gestützt, um einen weltweiten Bankencrash zu verhindern.

• Auch Griechenland stützte die eigenen Geldhäuser. Der Staat verschuldete sich weiter und musste letztlich Staatsanleihen herausgeben, die später von der Europäischen Zentralbank aufgekauft wurden. Damit setzte sich die Schuldenspirale in Gang. Irgendwann gibt es keinen Kredit mehr, wenn die Gläubiger erkennen, dass es ein Fass ohne Boden ist und die Aussicht auf Rückzahlung gen Null geht. So ist es bei Unternehmenspleiten oder auch Privatinsolvenzen.

Marc M.: Tritt Frau Merkel zurück, wenn die Talfahrt weitergeht? Wer übernimmt die Verantwortung? 

Warum sollte Sie? Entscheidungen zum Euro, zu Hilfspaketen und dergleichen müssen von allen Euro-Staaten einstimmig gefasst werden. In Deutschland muss auch der Bundestag zustimmen.

Maik M.: Ist die EU als Ganzes noch tragbar für Deutschland? 

Es gibt viele Stammtischweisheiten, die über die EU verbreitet werden: „Wasserkopf-Bürokratie“, „Euro hat Deutschland nur geschadet“ oder „EU-Zahlmeister Deutschland“. Stimmt alles nicht wirklich, wenn man auf die Erhebungen von Eurostat schaut.

• 46.347 Beamte standen nach jüngsten Daten in den Diensten der EU. In der Landesverwaltung von Berlin arbeiten 65.378 Beamte.

• Allen Unkenrufen zum Trotz: Mit dem Euro ist die Inflation gering, profitiert die deutsche Exportwirtschaft von moderaten Wechselkursen und jeder, der in Europa in Urlaub fährt.

• Betrachtet man die absolute Höhe der Beiträge, ist Deutschland als größte Volkswirtschaft mit knapp zwölf Milliarden Euro pro Jahr der wichtigste Netto-Zahler unter den Mitgliedsländern. Geht es um die Pro-Kopf-Berechnung sind es die Schweden mit 203 Euro pro Jahr, Deutschland liegt bei 146 Euro. Das sind 2,80 Euro pro Woche oder ein 0,5 Liter-Hefeweizen.

Reinhard H.: Wenn es in Griechenland zum Äußersten kommen sollte, dann muss das neue Zahlungsmittel doch tonnenweise hergestellt werden. Das geht nicht über Nacht. Wo wird es gedruckt und geprägt? In England, In Deutschland? Und wie lange dauert das? 

Ohne sich konkret zu Griechenland zu äußern, sagte die Banknotendruckerei Giesecke und Devrient, die unter anderem Euronoten herstellt, ganz allgemein: „Im Regelfall dauert es mindestens ein bis anderthalb Jahre, eine Währung ganz neu aufzusetzen.“ So viel Zeit dürfte Griechenland nicht haben. Am einfachsten wäre es daher, die bestehenden Euroscheine umzustempeln oder auf andere Art optisch zu verändern, etwa, indem eine Ecke abgeschnitten wird. „Diese Lösung wurde auch in der Vergangenheit schon gewählt, wenn den Ländern keine Zeit blieb“, sagt Thomas Mayer, Gründungsdirektor von Flossbach von Storch Research. Aber: Konkretes ist bislang nicht bekannt.

Birger L.: Was steht in dem letzten Vorschlag der Eurogruppe vom 25. Juni? 

Für den Hauhalt wurden Sparziele bis 2018 definiert. Erreicht werden sollten die dafür notwendigen Mehreinnahmen mit der Anhebung der Mehrwert- und der Unternehmenssteuer.

• Mehr Steuern: Zudem sollte für Yachten mit zehn Meter Länge und mehr die Steuer von 10 auf 13 Prozent erhöht werden. Bei Änderungen der Immobiliensteuer soll es unterm Strich aber bei Einnahmen von 2,65 Milliarden Euro bleiben. Für Fernsehwerbung soll eine Steuer erhoben werden. TV-Lizenzen sollen ausgeschrieben, Einnahmen aus Mobilfunklizenzen erwirtschaftet werden. Elektronische Wetten sollen besteuert werden. Die Militärausgaben sollten um 200 Millionen Euro reduziert werden.

• Renten: Bei den Renten sollen Einsparungen von 0,25 bis 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung in 2015 and 1 Prozent ab 2016 und Folgejahre bringen. Anreize zur Frühverrentung sollen reduziert werden. Bis 2022 soll das gesetzliche Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erhöht werden und auf 62 Jahre bei 40 Beitragsjahren. Es gibt bestimmte Ausnahmen. Die Krankenkassenbeiträge von Rentnern sollen von 4 auf 5 Prozent im Schnitt erhöht und auf andere Pensionen erweitert werden.

 

Wird fortgesetzt. Haben Sie auch Fragen? Schreiben Sie uns: Nachrichtenredaktion, Frankfurter Str. 168, 34121 Kassel oder an nachrichten@hna.de

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