Wenn Einladungen als Großeinsatz enden

Chaotische Facebook-Partys: Städte und Polizei wollen Geld zurück

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Alle wollten zu Thessa: Die Partyeinladung einer 15-Jährigen, die aus Versehen die komplette Facebook-Gemeinde nach Hamburg-Bramfeld bestellt hatte, machte im Juni 2011 erste größere Schlagzeilen. Weit über 1000 kamen – statt Party gab’s Randale.

Kassel /Stuttgart. Wer über Facebook zur Geburtstagsparty einlädt, kann leicht einen Straßenzug oder die komplette Stadt in Ausnahmezustand versetzen.

Wenn Einladungen über Internet Hunderte oder Tausende Feierwütige anlocken, absichtlich oder aus Versehen durch eine falschen Klick, dann rückt regelmäßig auch die Polizei zu Großeinsätzen an.

Randale, Sachschäden, Schnapsleichen, Prügeleien, Plünderungen: Baden-Württembergs Polizeidienststellen geht diese Woche ein Papier des Stuttgarter Innenministeriums zu, wie wildgewordene Facebook-Massen am besten in den Griff zu kriegen sind. Es geht um Einsatztaktik, aber auch juristische Fragen. Eine oder zwei Facebook-Partys mindestens laufen pro Woche allein in Deutschland aus dem Ruder. Für die Polizei sei das Ganze aber immer noch mit Unsicherheiten behaftet, sagte Günter Loos, Sprecher des Stuttgarter Innenministeriums unserer Zeitung.

Alle wieder ausladen oder gar aussperren – das geht, wenn die öffentliche Sicherheit bedroht ist. Wie im Juni 2012 in Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg): Dort lud ein 23-Jähriger, dem die Wohnung gekündigt worden war, über 20.000 Facebooker zur Party und laut Polizei auch zur Sachbeschädigung ein. 3300 wollten kommen, mit Kontrollen an den Zufahrtsstraßen sorgte die Polizei dafür, dass die Feier ausfiel. Eine Sammelstelle für Verletzte war aber vorsorglich eingerichtet.

Wer dafür zahlt? Das ist Neuland für Kommunen und Ordnungshüter. Einen gnädigen Gebührenbescheid von rund 400 Euro verschickte die Heilbronner Polizei nach Medienberichten für eine rechtzeitig abgebogene Sause. Auf 70.000 bis 100.000 Euro schätzt die Polizei in Konstanz Kosten eines Einsatzes im Juli. Dort war ein Freibad dichtgemacht und weiträumig abgesperrt worden, in dem ein 20-jähriger Azubi mit 12 000 anderen Party machen wollte.

Dass der 227.000 Euro an Stadt und Polizei bezahlen soll, wurde gestern als Falschmeldung der Bildzeitung dementiert. Rechnungen im vierstelligen Bereich wollen Polizei und Stadt jeweils aber stellen. Noch brütet ein Justiziar über den Forderungen.

Juristische Beratung

Dasselbe gilt in Bad Arolsen. Die Polizei prüft Forderungen, Bürgermeister Jürgen van der Horst lässt sich noch juristisch beraten. Aber: 30.000 Euro, sagte er gestern auf Anfrage, hat der zweifelhafte Partyspaß die Stadt gekostet - für den Feuerwehreinsatz, Sachkosten, die Einrichtung eines Krisenstabes etwa. Diese 30 000 Euro will van der Horst sich vom Einlader holen. Im Übrigen fordert er die Facebookbetreiber auf, ihre Seiten so umzubauen, dass versehentliche Einladungen an die ganze Welt mehr brauchen als nur einen Klick. Das hatte auch Verbraucherministerin Ilse Aigner verlangt, als eine Facebook-Party in Holland mit Verletzten und Millionenschäden endete.   kommentar

Von Wolfgang Riek

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