Europaweite Fahndung: 48-Tonner-Autokran, überall gesucht

+
Wie vom Erdboden verschwunden: 48-Tonnen-Autokran, baugleiches Modell des in Stuttgart gestohlenen Fahrzeugs, hier vor einer Baustelle.

Aufgebrochen, kurzgeschlossen und weg: Nach dem Diebstahl vom Betriebsgelände einer Stuttgarter Schwertransport-Firma wurde der rote Koloss am Harz und in Thüringen gesichtet. 

13 Meter lang, mit 48 Tonnen schwerer als ein Leopard-1-Panzer, Vierachser mit Allradlenkung – und seit Montag wie vom Erdboden verschwunden: Europaweit wird nach einem Autokran gefahndet, der am Montag vom Gelände der Stuttgarter Schwertransport-Firma Paule verschwunden ist.

Nachts aufgebrochen, kurzgeschlossen – und dann ab damit. Für Raser taugt das rote Monstrum nicht: Der Kranwagen schafft maximal Tempo 55. Und ist doch nicht zu fassen: Am Mittwoch soll das 200 000-Euro-Fahrzeug auf der B 243 bei Herzberg am Harz gesehen worden sein, am Donnerstag gab’s eine Sichtung zwischen Sömmerda und Erfurt. Die Polizei sprach nur von Meldungen, die ausgewertet würden. Die Kran-Klauer dürften vom Fach sein: Das GPS-System an Bord, das sonst den Standort verrät, haben sie offenbar blockiert. Ein Litauer, der 2009 einen Autokran aus dem niedersächsischen Holzminden Richtung Polen gestohlen hatte, vergaß das GPS. Eigentümer und Polizei fuhren vom Laptop gelotst hinterher.

Spezialkenntnisse am Steuer eines Krans braucht es nicht. „Wer Lkw fahren kann, kann auch den Kran fahren“, sagte Paule-Geschäftsführer Rainer Schmid. Die Firma hat in den sozialen Medien 5000 Euro für Hinweise ausgesetzt. „Die Resonanz ist riesig“, so Schmid. Selbst Biker-Clubs hätten sich gemeldet.

Der Fall bleibt mysteriös: „In Deutschland kann der Kran eigentlich so gut wie gar nicht mehr eingesetzt werden“, so Schmid in den Stuttgarter Nachrichten – selbst wenn der 48-Tonner komplett umgespritzt werde. Wie jedes Auto sei der Kran per Fahrgestellnummer zu identifizieren. Die sei beim Hersteller Liebherr hinterlegt: „Sobald jemand Ersatzteile bestellt, würde das dort auffallen.“

Ende Juni 2017 hatte ein Polizei-SEK nahe Halberstadt eine Bande hochgenommen, die mindestens ein Dutzend Baufahrzeuge, Trecker und andere landwirtschaftliche Maschinen im Osten Niedersachsens und in Sachsen-Anhalt gestohlen haben soll. Thüringen und Sachsen-Anhalt meldeten für 2017 steigende Zahlen beim Diebstahl von Navigationsgeräten und Bordcomputern, die Landmaschinen inzwischen steuern.

Die Nähe zur Grenze scheint eine Rolle zu spielen: „Bei den ermittelten Tätern handelt es sich um reisende Gruppen aus Litauen, Polen und Rumänien“, so das Landeskriminalamt (LKA) Thüringen Ende 2017. Im grenznahen Brandenburg, so das LKA dort, seien Bau- und Agrarmaschinendiebstähle deutlich zurückgegangen – auf zuletzt 750 pro Jahr. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.