Experte befürchtet hohe Inflation

Die Euro-Skepsis bleibt...

Die Europäische Zentralbank (EZB) plant, unbegrenzt Staatsanleihen von Euro-Krisenländern zu kaufen, um so die erdrückenden Zinsen jener Staaten auf ein erträgliches Maß zu senken. Was bedeutet das? Fragen und Antworten.

Das hat nach Ansicht von Professor Lüder Gerken vom Centrum für Europäische Politik (CEP) in Freiburg Inflation und Vermögensverluste zur Folge. Andere Finanzexperten sehen diese Gefahr allerdings nicht. Dazu im Folgenden Fragen und Antworten.

? Was passiert beim Anleiheverkauf durch die EZB?

!Die EZB kauft den maroden Staaten zum einem festgelegten, niedrigen Zins Staatsanleihen ab. Das heißt: Die Staaten leihen sich Geld bei der EZB und nicht zu weit höheren Zinsen am freien Kapitalmarkt. Wenn die Länder ihre Finanzen in Ordnung gebracht haben, müssen sie das Geld zurückzahlen. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist aber ungewiss. Für Ausfälle haften die nationalen Zentralbanken und am Ende die Steuerzahler aller Länder.

? Welche Gefahren birgt diese Vorgehensweise?

!Für den Anleihekauf muss die EZB die Notenpresse anwerfen, sprich zusätzliches Geld in den Kreislauf pumpen. Professor Lüder Gerken vom CEP glaubt, dass die Erhöhung der Geldmenge „ein gewaltiges Inflationspotenzial“ birgt und zu einem Vermögensverlust führt. Befürworter der Anleihekäufe sehen derweil keine Inflationsgefahr und verweisen auf Japan, wo die Zentralbank seit Jahrzehnten den Markt mit frischem Geld flutet und der Leitzins gegen null tendiert. Dort gibt es keine nennenswerte Inflation.

? Auch in Europa hält sich die Inflation in Grenzen und geht vor allem auf die hohen Energie- und Rohstoffpreise zurück. Wie passt das zusammen?

!Gerken begründete dies mit der aktuellen Rezession, in deren Folge die Nachfrage nach Krediten etwa für Konsum und Investitionen sinkt. Wenn die Konjunktur aber wieder anzieht, könnte die Teuerung nach Ansicht Gerkens kräftig steigen. Dann wäre die EZB gezwungen, die Notenpresse zu stoppen und die Zinsen zu erhöhen, was wiederum zu steigenden Zinsen auch für die maroden Staaten führen würde. Es drohten Staatspleiten und das Ende des Euro.

? Aber das wichtigste Ziel der EZB ist der Erhalt des Euro. Kann sie einen Kollaps zulassen?

!Nein. Und deshalb befürchtet die Bundesbank, dass die EZB die Inflation nicht entschieden genug bekämpfen und die Zinsen weiter niedrig halten wird, damit die klammen Staaten auch künftig an billiges Geld kommen. Das wiederum bremst laut Gerken die Reformbemühungen.

? Aber die EZB sagt doch, dass die Anleihen nur gekauft werden, wenn die betreffenden Staaten notwendige Reformen zusagen. Was also passiert, wenn die Zusagen nicht eingehalten werden?

!Dann könnte die EZB die Ankäufe stoppen, und die betreffenden Staaten wären wieder auf die teuren Kapitalmärkte angewiesen. Die Gefahr einer Staatspleite und eines Kollapses der Gemeinschaftswährung würde wieder steigen. Daher hält Gerken die unverzichtbare Disziplinierung „ohne Reformen keine Hilfen“ für eine „leere Drohung“. Das wüssten die maroden Länder und reformierten nicht so, wie es nötig wäre „Es gibt ja billigen Kredit - unbegrenzt.“

Von José Pinto

Zur Person Professor Dr. Lüder Gerken

Lüder Gerken

Er leitet das CEP seit 2006. Der 54-Jährige hat Wirtschafts- und Rechtswissenschaft studiert. Gerken ist verheiratet und hat zwei Kinder. Das CEP ist eine international anerkannte Denkfabrik zur Analyse und Bewertung der EU-Politik. Die Analysen, Studien, Einschätzungen und Kommentare dienen der Politik vielfach als Entscheidungsgrundlage.

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