„Haben Verantwortung“

Baldige Einreise weiterer Kinder von IS-Anhängerinnen erwartet

Ein Kleinkind einer mutmaßlichen IS-Anhängerin ist aus dem Irak nach Deutschland geflogen worden. Experten erwarten, dass das erst der Anfang war und sehen die Bundesrepublik in der Bringschuld.

Berlin - Nach einem Bericht über die Einreise des Kindes einer im Irak inhaftierten deutschen Anhängerin der Terrormiliz IS nach Deutschland erwarten Experten viele ähnliche Fälle in Zukunft. Claudia Dantschke, die für die Organisation „Hayat“ Familien berät, deren Kinder sich der Miliz angeschlossen haben, glaubt, in nächster Zeit würden weitere Kinder folgen, die zu Familienangehörigen nach Deutschland ausgeflogen würden. Allein die Beratungsstelle „Hayat“ sei im Moment in Kontakt mit 30 Erwachsenen und 25 Kindern in Syrien und dem Irak. Bei „tagesschau.de“ sagte Dantschke: „Die Eltern sind bei uns radikalisiert worden. Also haben wir auch eine Verantwortung, uns um deren Kinder zu kümmern.“ Zudem seien die Kinder in erster Linie keine Täter, sondern Opfer.

NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung hatten am Donnerstag berichtet, bei dem nach Deutschland ausgeflogenen Kind handele es sich um einen 14 Monate alten Jungen, der im IS-Gebiet geboren sei. Seine Eltern stammen demnach aus Hessen und sitzen im irakischen Erbil in Untersuchungshaft. Gegen die beiden werde in Deutschland und im Irak wegen Terrorismusverdachts ermittelt. Der Großvater des Jungen sei in den Irak gereist und habe das Kind unter Vermittlung des Auswärtigen Amtes und mit Zustimmung der irakischen Justiz übergeben bekommen. Zuvor habe ein DNA-Test die Verwandtschaft nachgewiesen.

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Kind von im Irak inhaftierter Deutscher eingeflogen

Aus dem Auswärtigen Amt wurde der Deutschen Presse-Agentur bestätigt, dass ein Kind einer im Irak inhaftierten deutschen Staatsangehörigen in die Bundesrepublik gebracht wurde. Ob die Frau tatsächlich eine IS-Anhängerin ist oder war, war zunächst nicht zu erfahren.

Die Bundesregierung hatte zuletzt vermutet, dass mehr als 100 Kinder von aus Deutschland ausgereisten Anhängern der Terrormiliz IS in die Heimat zurückkehren könnten. Das war vor Anfang Januar aus einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgegangen, über die die Welt (Montag) berichtet hatte.

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Islamforscherin hält psychologische Betreuung für wichtig

Die Frankfurter Islamforscherin Susanne Schröter hält eine psychologische Betreuung für nach Deutschland zurückkehrende Kinder von IS-Kämpfern für nötig. „Ich denke, das wäre auf jeden Fall angeraten, weil diese Kinder unabhängig davon, wie alt sie sind und wie stark sie ideologisiert sind, auch stark traumatisiert sind“, sagte sie am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die Kinder radikalislamischer Kämpfer in Syrien, dem Irak oder anderen Kampfgebieten hätten möglicherweise „extreme Gewalt in unmittelbarer Umgebung erlebt“. Auch die Gefangennahme könne sie traumatisiert haben.

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Ungeachtet davon bleibe das Problem der Indoktrination dieser Kinder durch ihre Mütter bestehen, sagte Schröter, die an der Frankfurter Universität das Forschungszentrum Globaler Islam leitet und unter anderem zu Salafismus und Radikalisierung forscht. Die Frauen, das gehe auch aus den seltenen Interviews hervor, seien „nach wie vor völlig ideologisiert“ und distanzierten sich keineswegs vom Islamischen Staat (IS). „Von einer Änderung der Einstellung gibt es überhaupt keine Spur“, sagte Schröter über diejenigen Frauen, die vor der Kamera darum baten, von deutschen Behörden zurück nach Deutschland geholt zu werden.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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