Trotz Wetterkapriolen und Lebensmittelskandalen stimmten 2011 Ernte und Preis

Extremes Jahr für Bauern

Dicke Kartoffeln: Unter dem Strich waren Hessens Landwirte mit ihrer Ernte im vergangenen Jahr zufrieden. Besonders Mais, Rüben und Kartoffeln gediehen prächtig. Unser Foto zeigt ein Feld bei Fulda. Foto: dpa

Friedrichsdorf. Für Hessens Bauern war 2011 ein extremes Jahr mit Wetter-Kapriolen und Skandalen. Dioxin in Schweinefutter, EHEC-Erreger auf Salat, nie dagewesene Trockenheit im Frühjahr, verregnete Ernte – aber auch gute Preise und ganz dicke Kartoffeln.

„Es war ein Wechselbad der Gefühle“, sagt der Generalsekretär des hessischen Bauernverbandes, Peter Voss-Fels. Unter dem Strich seien die Landwirte aber zufrieden, und für das nächste Jahr bestehe viel Anlass zu Optimismus.

Um die Ernte 2011 hatten die Bauern monatelang gebangt: Von Februar bis Mai hatte es in Hessen viel zu wenig geregnet. Nur ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge registrierte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in dieser Zeit. „Eine solche Trockenheit haben wir noch nicht erlebt“, sagte Voss-Fels. Die Pflanzen mussten von den Wasserreserven im Boden zehren. Landesweit wurden fast zwei Millionen Tonnen Getreide eingefahren. Einbußen gab es etwa bei Raps und Gerste.

Landwirte in Südhessen mussten die völlig ausgetrockneten Gerstefelder im Mai künstlich beregnen. Der Weizen habe dagegen den späten Regen noch gut in Wachstum umgesetzt, sagte Voss-Fels. Die Erträge schwankten auch je nach Region. In der Wetterau, wo die lehmhaltigen Böden das Wasser lange speichern können, lagen sie fast im Durchschnitt. Dagegen gab es in den Mittelgebirgslagen und auf den Sandböden Südhessens Einbußen von bis zu 80 Prozent.

Zur Ernte im Sommer kam der Regen, auf den die Landwirte im Frühjahr gewartet hatten. Immer wieder mussten Pausen zwischen den Güssen eingelegt werden: „Zwischen den Schauern musste das Getreide regelrecht vom Feld gestohlen werden, das war die Härte“, erinnert sich Voss-Fels. Der Regen war teuer, denn die Körner mussten für Lagerung und Verkauf getrocknet werden.

Für Mais, Rüben und Kartoffeln war der üppige Sommerregen dagegen ein wahrer Segen – sie gediehen prächtig. Noch nie holten die Rübenbauern so viel von ihren Äckern. Mit 76 Tonnen Rüben je Hektar wurde ein neuer Rekord erzielt. Die Kartoffeln wuchsen so sehr, dass sie zu dick für die Normgrößen der Industriekunden wurden.

Dioxin-Skandal

Nicht gut lief das Jahr für die Schweinebauern. Anfang des Jahres war Dioxin in Tierfutter gefunden worden, dem billiges Industriefett zugemischt worden war. Auch hessische Höfe waren betroffen. Wieder seien Verbraucher verunsichert worden und hätten einen Bogen um Schweinefleisch gemacht, beklagt Voss-Fels. Prompt sanken die Preise, „und die Schweinepreise haben sich bis jetzt nicht erholt“. (lhe)

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