Hamburger Experten-Kongress

Extremwetter: Teures 2013 - Ukraine-Krise Chance für Klimaschutz

Hafencity Hamburg unter Wasser: Ein Auto schwimmt am 6. Dezember 2013 während der sogenannten Nikolaussturmflut in der Straße Am Sandtorkai. Foto: dpa

Hamburg. Der Meeresspiegel steigt, die Wetterkatastrophen werden immer dramatischer: Die Prognosen der Klimaforscher sind pessimistisch. Eine Chance für den Klimaschutz sehen sie in einer Krise, die vielen Europäern Angst macht.

Der Konflikt um die Ukraine könnte nach Ansicht des Wetterexperten Frank Böttcher den Kampf gegen den Klimawandel in Deutschland positiv beeinflussen. „Die Abhängigkeit von Energiequellen aus dem Ausland wird zum Standortrisiko für Deutschland - und kann genau deshalb auch eine Chance für den Klimaschutz sein“, sagte der Leiter des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation gestern zum Auftakt des Extremwetterkongresses in Hamburg.

Angesichts der Sanktionen gegen Russland wird in der EU befürchtet, dass Russland im Winter seine Gaslieferungen nach Europa einschränken könnte. „Die Bundesregierung darf nicht nur an die wirtschaftliche Abhängigkeit denken, sondern muss auch die Suche nach erneuerbaren Energien verstärken“, sagte Böttcher.

An dem Kongress in der Hamburger Hafencity nehmen rund 5000 Wissenschaftler und Interessierte teil. Auf der Teilnehmerliste stehen unter anderen Professor Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel sowie Polar-Expeditionsleiter Arved Fuchs. Ziel der viertägigen Veranstaltung ist es, das Wissen über Wetterkatastrophen und Klimawandel einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Klima hat ein Imageproblem: Es ist sehr komplex und kostet viel“, sagte Böttcher.

100 Klimaforscher und Experten diskutierten zur Eröffnung unter anderem über Katastrophenwarnung, Hochwasserschutz und Versicherungsschäden in Deutschland. Stürme, Überschwemmungen, Waldbrände - die Zahl der Naturkatastrophen hat nach Daten des weltweit größten Rückversicherers Munich Re in den vergangenen 30 Jahren stark zugenommen.

„Deutschland führt für 2013 die Rangliste in den teuersten Naturkatastrophen an“, sagte Peter Höppe von Munich Re. Hagel mit Eiskörnern bis zu Tennisballgröße und Überschwemmungen in Deutschland richteten laut Höppe mehr Schaden an als Taifune in Asien und Hurricans in den USA. Allein die Hagelschäden betrugen im vergangenen Jahr 3,5 Milliarden Euro.

Auch der Juni 2014 wurde für Versicherer teuer: Dafür sorgte laut Höppe eine Unwetterfront, die am 9. Juni über Westdeutschland zog. Lokal gab es starke Schäden durch Sturmböen und Hagel, unter anderem auch in unserer Region. Insgesamt lag der versicherte Schaden bei 650 Mio. Euro, der Gesamtschaden bei rund 880 Millionen.

Als teuerste Naturkatastrophe des abgelaufenen Jahres gemessen an den gesamtwirtschaftlichen Schäden gilt bei Munich Re das Hochwasser in Südost- und Ostdeutschland sowie angrenzenden Staaten Anfang Juni. Die Gesamtschäden lagen bei knapp zwölf Milliarden Euro, die versicherten Schäden bei 2,3 Milliarden.

Hintergrund: Prognosen für Hessen

Bestimmte Wetterextreme, sagt eine Broschüre des Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) von 2014, werden sich im Klimawandel verstärken.

Der kälteste Winter in Hessen seit 1951 war 1963 mit -5,45 C, der wärmste 2007 mit +4,35 C. Der langjährige Mittelwert ist seit 1951 angestiegen und ein Winter, der uns heute kalt scheint, wäre früher normal gewesen. Zusätzlich zum mittleren Trend nehmen besonders warme Winter zu, besonders kalte Winter ab.

Der Sommer 2003 war europaweit besonders heiß. In Hessen starben etwa 1000 Menschen mehr als üblicherweise.

Der Klimawandel lässt laut HLUG mehr Starkniederschlag erwarten: Das führt besonders an kleineren Wasserläufen zu extremem Hochwasser mit Gefahr für Menschen, Schäden an Häusern, Straßen und Schienen.

Ob Windextreme durch den Klimawandel zunehmen, lässt sich laut HLUG noch nicht sicher sagen.

Download: Die Broschüre

Von Claudia Thaler und Wolfgang Riek

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