Größere Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus Osteuropa lockt nur wenige nach Hessen

Fachkräfte bleiben aus

Wiesbaden. Seit Anfang Mai dürfen Menschen aus acht osteuropäischen Staaten uneingeschränkt in Deutschland arbeiten. Bisher hat das aber nur wenige neue Arbeitnehmer nach Hessen gelockt. Der befürchtete Ansturm billiger Arbeitskräfte sei ausgeblieben.

Die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt für die EU-Mitgliedsstaaten Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen. Nach Angaben der Regionaldirektion Hessen der Arbeitsagentur waren aus diesen Ländern im Mai 22 800 Arbeitnehmer in Hessen registriert - 2400 mehr als im April. Im Vergleich zum Mai 2010 stieg die Zahl um 3400 Arbeitnehmer.

„Die ersten Hochrechnungen zeigen eindeutig, dass die gesetzlichen Änderungen kein Anreiz zu einer verstärkten Arbeitsmigration waren“, sagte Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen. Die Zahlen seien aber noch vorläufig. Eine endgültige Einschätzung der Entwicklung könne erst Ende dieses Jahres getroffen werden. In den 22 800 Arbeitnehmern sind auch die Saisonarbeitskräfte enthalten, die bei der Spargel- und Erdbeerernte in Hessen geholfen haben.

Laut Dirk Kronau, Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Handwerkskammern, haben sich die Befürchtungen vor der Ausweitung der Freizügigkeit nicht bestätigt: „Das ist für uns kein drängendes Problem.“ Durch die Lage in der Mitte Deutschlands sei Hessen für Arbeitnehmer aus dem Osten nicht so attraktiv. Das Handwerk in Grenznähe habe eher mit ausländischer Konkurrenz zu kämpfen.

Eine Lösung für den Fachkräftemangel könnten ausländische Arbeitnehmer aber auch nicht sein. Das hessische Handwerk setze vielmehr darauf, Jugendliche als Auszubildende zu gewinnen.

Von Marcus Janz

Hintergrund

Handwerk wirbt um Auszubildende

Die hessischen Handwerksbetriebe bemühen sich verstärkt um Nachwuchs. Wie Dirk Kronau von der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Handwerkskammern mitteilte, hätten die Betriebe bisher deutlich mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im vergangenen Jahr. Zu Ende Juli waren bereits 4801 Lehrstellen besetzt. Am gleichen Stichtag 2010 lag die Zahl der Verträge um 12,1 Prozent niedriger. „Das sind gute Schritte, um dem Fachkräftemangel zu begegnen“, sagte Kronau. Außerdem stünden die Chancen für junge Menschen gut, nach ihrer Lehre im Handwerk übernommen zu werden. (mcj)

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