Im Fadenkreuz - ein Kommentar zur drohenden Herabstufung Deutschlands

Die Ratingagentur Standard & Poor's stellt nun auch Deutschland unter verschärfte Beobachtung: Die Ratingagentur kündigte an, auch die Kreditwürdigkeit des  bisherigen Musterknabens in der Eurozone zu überprüfen. Ein Kommentar.

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- Jetzt auch Deutschland im Visier der Ratingagenturen

Der erste Impuls geht in Richtung Wutrede. Frei nach dem Fußballlehrer Giovanni Trappatoni ist man geneigt zu wettern: Was erlauben Standard &Poor’s? Haben deren Analysten mit ihrer Drohung, die Kreditwürdigkeit auch des Musterknaben Deutschland herabzustufen, endlich erreicht, was sie wollen?

Und was wollen die US-Rating-Riesen überhaupt? Die Herabstufungen lösen Befremden aus, vor allem, weil sie scheibchenweise erfolgen. Zumal die beklagten Missstände nicht neu sind. Und ausgerechnet in dem Moment, da die solideren Staaten der Eurozone versuchen, den Flächenbrand unter Kontrolle zu bringen, geraten sie selbst ins Fadenkreuz.

Detlef Sieloff, Politikredaktion

Hat sich die erste Erregung gelegt, dann zeigt sich: Die Rating-Agen-turen teilen offenbar die Sorgen vieler Bürger, die Krise könnte aus dem Ruder laufen und alle Beteiligten, auch Deutschland, in einen Strudel von nicht zu stoppender Verschuldung und wirtschaftlicher Rezession hinabreißen. Die unangenehme Ankündigung, die - wird sie Realität - auch das Aus für den Rettungsfonds ESFS bedeuten könnte, ist zugleich eine Ohrfeige für die europäische Politik. Unentschlossenheit, Halbherzigkeit und Zerstrittenheit in Brüssel, Berlin und Paris sendeten fatale Signale aus. Vertrauen stellte sich so nicht ein. Die S&P-Ankündigung baut jetzt gewaltigen Druck auf, der heilsam wirken und endlich zu Taten führen sollte. Wenn nicht - dann heißt es leider sehr bald: Flasche leer.

Von Detlef Sieloff

Rubriklistenbild: © dpa

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