„Fair-Sprechen“ in Verwaltung

Broschüre fordert geschlechtergerechte  Formulierungen

Hannover. Das Land Niedersachsen will der Gleichberechtigung etwas Gutes tun: Eine bunte Broschüre der Staatskanzlei fordert "geschlechtergerechte Formulierungen". Dagegen regt sich Protest.

Niedersachsens Landesbedienstete sollen ein „Fair-Sprechen“ geben. In einer bunten Broschüre fordert die Staatskanzlei in Hannover „geschlechtergerechte Formulierungen“ in Wort und Schrift.

Politiker, Beamter, Vorgesetzter? „In unserer Vorstellung entstehen oft Bilder von Männern. Frauen werden selten genannt, sie sind bloß mitgemeint“, finden die Verfasser des Faltblatts und geben Beispiele, wie man (Frau?) es ihrer Meinung nach besser machen müsste. Neben den bereits üblichen „Bürgerinnen und Bürger“ oder „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ seien neutrale Begriffe wie „Fachkraft“, „Lehrkraft“, „Führungskraft“ und „Vollzeitkraft“ angebracht. Teilnehmer werden zu „Teilnehmenden“, Künstler zu „Kunstschaffenden“.

Die Broschüre verlangt sogar neue Haupt- und Nebensätze, um einer drohenden Diskriminierung von Frauen oder auch Männern zu begegnen. Aus „Bewerber“ wird dort „die Person, die sich beworben hat“. Statt „der Inhaber des Ausweises“ soll es künftig „wer einen Ausweis besitzt“ heißen. Ein „Erziehungsberechtigter“ mutiert zum „erziehungsberechtigten Elternteil“.

Selbst stehende Sprichworte sind nicht tabu. „Der kluge Mann baut vor“ - das ist künftig in der Landesverwaltung unerwünscht. Richtig ist laut Broschüre vielmehr: „Kluge Menschen bauen vor.“

In einigen Amtsstuben schütteln die Bediensteten bereits den Kopf über diese Art staatlicher Fürsorge. Von Bevormundung spricht die FDP. „Ich bin gespannt, ob sich die Minister und Ministerinnen von SPD und Grünen künftig nur noch als ‚Mitglied der Landesregierung‘ ansprechen lassen“, ätzt der liberale Fraktionsvorsitzende Christian Dürr. „Wenn die Politik aus liebenden Müttern und Vätern das unpersönliche ‚Elternteil‘ machen will, geht das entschieden zu weit.“

Die Staatskanzlei rechtfertigt die Publikation dagegen als weiteren Schritt für die Gleichstellung von Mann und Frau. Es handele sich aber nicht um eine Dienstanweisung, beteuert Pressesprecher Michael Jürdens: „Das sind Tipps, da ist nichts vorgeschrieben.“ Das Faltblatt ist laut seinen Angaben nach einer ersten Auflage mit 2000 Exemplaren soeben in der zweiten Auflage in gleicher Anzahl erschienen. Für Gestaltung und Druck habe die Regierungszentrale bislang rund 1400 Euro ausgegeben. Das Werk sei in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten der obersten Landesbehörden entstanden.

An eine Warnung, es bei der Geschlechterneutralität nicht zu übertreiben, haben die Verfasser immerhin gedacht: „Achtung, Grammatik (und Biologie) beachten, bitte nicht: Wer während seiner Schwangerschaft…“ • Die Broschüre im Netz unter http://zu.hna.de/sprache01

Von Peter Mlodoch

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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