Die Familie Quandt: Krieg, Reichtum, Erpressung

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Patriarchin Johanna Quandt  ist tot.

Patriarchin Johanna Quandt ist tot: Die Familie erlebte im Weltkrieg Aufschwung und verfügt über Milliarden. Eine Übersicht der bekanntesten Familienmitglieder.

Sie sind mit geschätzten 31 Milliarden Euro Vermögen einer der reichsten Familien Deutschlands. Hauptbestandteil ihres Wirtschaftsimperiums ist die 46-prozentige Beteiligung am Autobauer BMW. Die Familien-Dynastie Quandt hat die wirtschaftliche Entwicklung des Landes maßgeblich beeinflusst.

Ihr Erfolg beruht allerdings auch auf einem dunklen Kapitel der Geschichte, als die Familie im Zweiten Weltkrieg in ihren Fabriken Zwangsarbeiter einsetzte. Das jüngste Bild der Familie prägten zuletzt vor allem Susanne Klatten und Stefan Quandt sowie ihre 89-jährige Mutter, Johanna Quandt, deren Tod am Mittwoch bekannt wurde.

• Günther Quandt (1881-1954): Er legte den Grundstein für den Reichtum der Familie. Von seinem Vater erbte er mehrere Textilfabriken. Zwischenzeitlich mit der späteren Ehefrau von Joseph Goebbels verheiratet, setzte er zwischen den Weltkriegen auf rüstungsrelevante Betriebe. Während der Nazi-Diktatur wurden Quandts Betriebe zum Zulieferanten für die Rüstungsindustrie. Wie Historiker herausfanden, war er Teil des NS-Regimes - wurde nach dem Krieg aber als Mitläufer eingestuft. Bis zu 50 000 Zwangsarbeiter soll er beschäftigt haben.

• Magda Ritschel (1901-1945): Auf einer Bahnfahrt soll sie Günther Quandt kennengelernt haben. Es kam zur Heirat, die für sie einen Aufstieg in die Oberschicht bedeutete. Allerdings wurde sie in der Ehe nicht glücklich, ließ sich scheiden und lernte Joseph Goebbels kennen, den späteren Propagandaminister. Vor Kriegsende 1945 vergiftete sie erst ihre sechs Kinder im Führerbunker, dann nahmen sie und Goebbels sich das Leben

• Herbert Quandt (1910-1982): 1954 erbten Herbert und sein Halbbruder Harald ein Konglomerat von Firmenbeteiligungen. Herbert, der unter einem Augenleiden litt, soll in alle Entscheidungen des Vaters im Weltkrieg einbezogen worden sein, wurde aber nach 1945 entlastet. Ende der 1950er-Jahre geriet die BMW AG in finanzielle Schieflage. Quandt sah eine Chance, BMW in Eigenregie zu sanieren und sorgte per Finanzspritze wieder für Vertrauen bei den Banken.

• Johanna Quandt (1926-2015): Witwe von Herbert Quandt und eine der reichsten Frauen Deutschlands, bestimmte als Aufsichtsrätin die Entwicklung einiger der größten deutschen Unternehmen. Ende der 1990er-Jahre teilte sie das Vermögen unter ihren Kindern auf. Sie spendete regelmäßig große Beträge an CDU und FDP.

• Susanne Klatten (1962): Sie gilt laut Forbes-Magazin (2015) mit einem Vermögen von umgerechnet 14,6 Milliarden Euro als reichste Frau Deutschlands. 2007 erpresste sie ein Mann nach einer Affäre mit angeblich pikanten Bildern. Der Fall landet vor Gericht, der Erpresser ging für sechs Jahre ins Gefängnis.

• Stefan Quandt (1966): Ist wie seine Schwester Susanne Teilaktionär der BMW AG und soll laut Forbes-Magazin über ein Vermögen von umgerechnet 14,2 Milliarden Euro verfügen. Galt bei der Auswahl seiner Beteiligungen als weniger erfolgreich als seine Schwester.

• Gabriele Quandt (1952): Ihr Vater Harald, Sohn von Günther Quandt und Magda Quandt, später Goebbels, starb 1967 bei einem Flugzeugabsturz. Sie ist Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Harald Quandt Holding, die mindestens 1,2 Milliarden Euro der Erben von Harald Quandt verwaltet.

Von Max Holscher

Autos, Chemie, Windkraft: Die Beteiligungen der Familie Quandt

Die Familie Quandt hat ihre Unternehmensbeteiligungen in Holdings gebündelt.

Die Delton-Gruppe Stefan Quandts, des Sohns der am Mittwoch gestorbenen Johanna Quandt, investiert in Unternehmen der Pharma- und der Logistikbranche. Der Umsatz belief sich im vergangenen Jahr auf 1,3 Milliarden Euro.

Stefan Quandts Schwester Susanne Klatten hat ihre Beteiligungen in der Skion GmbH zusammengefasst. Zu den Beteiligungen gehören ein Paket am Windkraftanlagenbauer Nordex und am Carbon-Spezialisten SGL Carbon. Der Chemiekonzern Altana gehört Susanne Klatten ganz. Ihr BMW-Aktienpaket von 12,56 Prozent wird in einer eigenen Gesellschaft verwaltet.

Die Harald Quandt Holding verwaltet das Kapitalvermögen der Nachkommen des 1967 gestobenen Industriellen. Die Familie hat zudem Beteiligungen an mehreren Finanzdienstleistern, die zusammen ein Vermögen von rund 18 Milliarden Dollar betreuen.

Eine der wohl lukrativsten Beteiligungen der Familie Quandt ist das Aktienpaket am Autobauer BMW: 46,7 Prozent gehören der vor kurzem gestorbenen Johanna Quandt und ihren beiden Kindern Susanne Klatten und Stefan Quandt. Bis zu 815 Millionen Euro Dividende überwies der Münchener Autokonzern an die Familie. (wll)

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