Fast jede zweite Kneipe auf dem Dorf macht zu

Kassel. Die Gaststätte auf dem Land stirbt aus. Gab es 2002 noch 3000 Gaststätten sind es zwölf Jahre später nur noch 1780.

Diese Zahlen teilte der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen mit. Die Prognose für die kommenden Jahre sieht nicht besser aus. Bis 2020 sollen weitere 600 bis 700 Gaststätten schließen, schätzt der Dehoga.

Regionale Zahlen für einzelne Landkreise weist die Statistik nicht aus. Aber: „Nordhessen ist aufgrund seiner ländlichen Struktur besonders betroffen“, sagt Dehoga-Sprecher Sebastian Maier. Zur Kategorie der ländlichen Gaststätten zählt der Verband auch Kneipen. Für diese Entwicklung hat der Verband verschiedene Ursachen ausgemacht, die von Institutionen wie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt werden: Der demografische Wandel und die Landflucht sind dabei die Hauptprobleme. Laut einer Studie des Statistischen Landesamts Hessen könnte die Bevölkerungszahl, die derzeit schon ruckläufig ist, in Hessen bis 2060 auf 4,9 Millionen Menschen fallen. Derzeit leben über 6 Millionen in Hessen.

Darunter könnte auch die Tourismusbranche leiden. Bis 2025 geht der Hotel- und Gaststättenverband von einem Rückgang der Bruttoumsätze von derzeit 11,5 Milliarden auf 11 Milliarden aus.

Aus der Sicht von Dehoga-Sprecher Maier hat sich zudem das Freizeitverhalten geändert: Statt wie früher in die Dorfkneipe zu gehen, gingen die Menschen in den Städten aus - wo sie ohnehin meist arbeiteten. Die Menschen seien heute mobiler, sagt auch Wolfgang Wähnke von der Bertelsmann Stiftung.

Für viele Gaststättenbetreiber sei es ein Problem, Nachfolger zu finden, da die wirtschaftlichen Bedingungen schwierig seien und eigentlich investiert werden müsste, sagt Dehoga-Sprecher Maier. Hinzu käme der gewachsene bürokratische Aufwand, etwa durch den Mindestlohn.

Hintergrund

• Zur Kategorie der ländlichen Gaststätte zählt für den Dehoga: Dorfgasthaus oder Kneipe, geführt von einer Inhaberfamilie mit Essensangebot.

• Im Schnitt erlöst laut Dehohga im Jahr solch eine Gaststätte 250.000 Euro durch Speisen und Getränke. Nach Abzug von Warenkosten (75.000 Euro), Personalkosten (75.000), Energie (12.500 bis 15.000), blieben nach weiteren Abzügen im Schnitt zwischen 20.000 und 25.000 Euro Gewinn.

• Der Dehoga veranstaltet derzeit eine „Roadshow“durch Hessen, um mit Bürgern darüber zu diskutieren. Am 7. Juli gibt es ein Treffen in Schwalmstadt, Gasthof Rockensüß.

Mehr Infos gibt es hier.

Rubriklistenbild: © dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.