Zahlen steigen auch in der Region

Fast jeder Zehnte ist überschuldet

Kassel / Göttingen. Immer mehr Verbraucher in der Region sind überschuldet. In Nordhessen sieht nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform fast jeder zehnte Erwachsene finanziell kein Land mehr. In Südniedersachsen sieht es ähnlich aus.

Die Region liegt damit im Trend: Bundesweit stieg 2012 die Zahl der Privatpersonen, die ihre Verbindlichkeiten in absehbarer Zeit nicht begleichen können von 9,38 auf 9,65 Prozent.

Von Flensburg bis Passau stecken 6,6 Millionen Menschen tief in den roten Zahlen und haben dabei weder Vermögen noch Kredit, das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr.

Schulden sind städtisch: Trotz der 2012 gestiegenen Quoten ist die Region keine Hochburg ungedeckter Konten. Überschuldung ist überwiegend ein Problem von Städten und Ballungsräumen. So gehört Kassel mit einer Quote von 16,07 Prozent bundesweit zu den zehn Städten mit der stärksten Überschuldung. Umlandgemeinden wie Schauenburg unterbieten hingegen die nordhessische Durchschnittsquote von 10,68 (2011: 10,42) Prozent deutlich. Zum einen ziehen viele Menschen mit gutem Einkommen aufs Land, zum anderen sei in der Stadt die Konsumbereitschaft höher, sagt Sebastian Schlegel, Geschäftsführender Gesellschafter von Creditreform Kassel.

Schuldentreiber Konsum: Arbeitslosigkeit ist zwar weiterhin der Hauptgrund für Überschuldung, verlor angesicht der guten Konjunktur aber an Bedeutung. In die roten Zahlen rutschen Verbraucher aber auch durch die Trennung vom Lebenspartner und zunehmend durch ihr Konsumverhalten. Vor allem Männer kaufen auf Pump und auf Raten: Sie haben eine höhere Überschuldungsquote als Frauen und stehen auch tiefer in der Kreide. Im Durchschnitt haben überschuldete Privatpersonen Verbindlichkeiten von 33.000 Euro.

Gewinner und Verlierer: Insgesamt 89.800 Privatpersonen in Nordhessen und 32.350 in Südniedersachen waren 2012 überschuldet. Am höchsten sind die Quoten – nach der Stadt Kassel – in Eschwege und Weißenborn (Werra-Meißner-Kreis), am besten steht Haunetal (Kreis Hersfeld-Rotenburg) da.

Ausweg Privatinsolvenz: Wer keine Möglichkeit mehr sieht, die offenen Rechnungen jemals zu begleichen, dem bleibt nur die Privatinsolvenz. Das bedeutet, sechs Jahre Schulden abzuzahlen und dabei nur das Einkommen der Pfändungsfreigrenze für sich behalten zu dürfen. Danach werden die Restschulden erlassen. Einer Einzelperson ohne Unterhaltspflichtige bleiben derzeit rund 1050 Euro im Monat. Ab Juli 2014 ist die Restschuldbefreiung nach drei Jahren möglich.

Von Barbara Will

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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