Kommentar zu den Ereignissen in Ferguson: Fatale Entwicklung

Petra Wettlaufer-Pohl über die Unruhen in Ferguson

Der Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown bleibt ungesühnt: Der Polizist, der den unbewaffneten Jugendlichen im August in der US-Kleinstadt Ferguson erschossen hatte, wird nicht angeklagt. Ferguson ist zum Fanal für Rassentrennung geworden, meint Petra Wettlaufer-Pohl. Ein Kommentar

Schon bei der Trauerfeier für den schwarzen Teenager Michael Brown im August sagten Kritiker voraus, dass es zu schweren neuen Unruhen kommen würde, sollte die Grand Jury sich weigern, den weißen Todesschützen Darren Wilson anzuklagen. Denn die Grand Jury, ein Instrument, das unserem Rechtssystem fremd ist, setzt sich in St. Louis aus drei schwarzen und neun weißen Schöffen zusammen. Kritiker ahnten also, wie die Entscheidung ausfallen würde.

Die Zusammensetzung der Jury steht im umgekehrten Verhältnis zur Bevölkerung von Ferguson. Dem Ort, an dem der Polizist Wilson im August zwölf Schüsse auf den unbewaffneten Teenager Michael Brown (18) abgegeben hatte. Weil der ihn geschlagen hatte. Weil der weglief und wiederkam. Da schießt ein Polizist schon mal. Auch mehrmals. Unfassbar für uns. Aber kein Einzelfall. Ferguson ist zum Fanal für Rassentrennung geworden.

Auch 51 Jahre, nachdem der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King seine berühmte Rede „I have a dream“ (Ich habe einen Traum) gehalten hat, ist die Rassentrennung in den Köpfen vieler Amerikaner nicht überwunden. In einem Land, das zudem in unverantwortlicher Weise am Jedermannsrecht auf Selbstverteidigung mit der Waffe festhält, hat dies tödliche Folgen, immer wieder.

Fatal ist, dass daran weder Anti-Diskriminierungsgesetze noch ein schwarzer Präsident etwas ändern konnten. Hoffnung, wenn überhaupt, liegt in den vielen Amerikanern, welche die Rassentrennung in ihren Köpfen längst überwunden haben. Und darin, dass sie die Mehrheit der Amerikaner darstellen, auch wenn es nicht immer so scheint.

Kontakt zur Autorin: wet@hna.de

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