Ob Hochsommer oder Brückentage

Ferienplanung: Begehrte Zeiten erfordern gute Organisation

In vielen Betrieben läuft jetzt die Urlaubsplanung für 2015. Viele möchten gern im Hochsommer Urlaub machen oder „Brückentage“ nutzen.

Doch längst nicht alle Urlaubswünsche lassen sich erfüllen. Diese Regeln gelten:

Wunschtermin: Jedem Arbeitnehmer steht zwar Urlaub zu - Anspruch auf einen konkreten Termin gibt es aber nicht. Das Bundesurlaubsgesetz regelt nur, dass „die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen“ sind – wenn dem nicht entweder „dringende betriebliche Belange“ oder „Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen“.

Vorrang: Wenn zu viele Arbeitnehmer gleichzeitig Urlaub beantragen, muss der Arbeitgeber abwägen, wer die Zusage bekommt. Dabei geht es nach sozialen Kriterien. So müssen Eltern schulpflichtiger Kindern in den Ferien meist den Vorrang bekommen.

Kinderlose im Nachteil?  Schon. Wenn sie auf jeden Fall im Hochsommer Ferien machen möchten, lassen sich aber Lösungen finden. In vielen Betrieben gibt es Urlaubsordnungen, die regeln, dass ein Arbeitnehmer beim dritten oder vierten Antrag mit seinem Wunschtermin zum Zuge kommen muss.

Rollierendes Modell:  „Die Beschäftigten einer Abteilung können sich auch untereinander auf ein rollierendes Modell einigen“, so Peter Vogt, Arbeitsrechts-Experte der Chemiegewerkschaft IG BCE. Dann heißt es: „Dieses Jahr fährst du, und nächstes Jahr fahre ich.“ Oder: Wer in den gewünschten Ferien nicht drankommt, erhält bei den Brückentagen den Zuschlag.

„Dringende betriebliche Belange“:  Sie können einer Urlaubsgenehmigung im Wege stehen – etwa wenn gerade „Hochsaison“ in einem Betrieb ist (z.B. Weihnachtszeit in einem Kaufhaus). Ob dann „dringende“ Argumente gegen Urlaub angeführt werden können, darüber kann man streiten. Gibt es einen Betriebsrat, hat dieser ein Mitbestimmungsrecht.

Selbst beurlauben? „Wer das tut, riskiert seinen Arbeitsplatz“, weiß Arbeitsrechts-Experte Vogt. Eine Abmahnung oder Kündigung kann die Folge sein.

Rechtsweg: Seinen Wunschtermin für den Urlaub kann man auch einklagen – gegebenenfalls per einstweiliger Anordnung. So setzte etwa der Vater eines schulpflichtigen Kindes vor dem Arbeitsgericht Frankfurt durch, dass er in den Weihnachtsferien in Urlaub fahren konnte (Az.: 9 Ga 191/01). Sein Chef wollte einem Kollegen Vorrang geben, der sich um seine schwangere Ehefrau kümmern wollte. Das könne er auch nach den Weihnachtsferien noch tun, befand das Gericht.

Genehmigten Urlaub „canceln“?  Einvernehmlich geht das immer. Doch grundsätzlich gilt: Abgemacht ist abgemacht. Dieser Grundsatz gilt sowohl für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber. Der Chef darf zwar zunächst den Urlaubsantrag wegen dringender betrieblicher Belange ablehnen – aber danach gibt es in aller Regel kein Zurück mehr. Nach Erteilung des Urlaubs gilt laut Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 20. Juni 2000: „An diese Erklärung ist der Arbeitgeber gebunden“ (Az.: 9 AZR 405/99). Nur katastrophenähnliche Situationen können daran etwas ändern. (bia)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa-tmn

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.