Teil 3 der Serie zur Geschichte der Medien

Fernsehen: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk kämpft um Berechtigung

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Moderne Technik beim Ersten Deutschen Fernsehen: Die Moderatorin Linda Zervakis während ihrer Arbeit im Fernsehstudio der Tagesschau in Hamburg. 

Der berühmte Satz: „Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau" ist ein journalistischer Meilenstein in der Geschichte des Fernsehens, das seit den 1950er-Jahren fester Bestandteil der deutschen Haushalte ist. 

Technik

Der deutsche Erfinder Paul Nipkow entwickelte 1883 die Urform des Fernsehens: ein elektrisches Teleskop, das Bilder in Hell-Dunkel-Signale zerlegen und zusammensetzen konnte – allerdings nur mechanisch. Mit der Kathodenstrahlröhre gelang es erst 1930, ein vollelektronisches, von Radiowellen übertragenes Fernsehen zu zeigen.

Das erste öffentliche, regelmäßige Fernsehprogramm der Welt startete am 22. März 1935 in Berlin. Dreimal wöchentlich konnte man an 15 öffentlichen Fernsehstellen zwei Stunden lang ein Programm aus Spiel- und Kurzfilmen sowie Wochenschauen ansehen.

Viele Jahre war das Fernsehgucken nur in schwarz-weiß möglich. Das Farbfernsehen war in der Bundesrepublik erst 1967 möglich. Die DDR zog zwei Jahre später nach.

Rundfunksender

Das duale Rundfunksystem, wie wir es heute kennen, etablierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg. 1950 wurde der Grundstein für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelegt. Mehrere Landesrundfunkanstalten schlossen sich zusammen und bildeten eine Arbeitsgemeinschaft – die ARD, die 1954 ein gemeinsames Fernsehprogramm startete.

Weil das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe 1961 beschloss, dass es eine von allen Bundesländern gemeinsam getragene Fernsehanstalt geben soll, wurde sechs Jahre später das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit Hauptsitz in Mainz gegründet.

Bis heute sollen die öffentlich-rechtlichen Sender freie Meinungsbildung sichern. Es ist ihr Grundversorgungsauftrag, der sie von den privaten Sendern abgrenzen soll, die 1984 auf den Markt kamen.

Sie sorgten für einen Umbruch in der Fernsehlandschaft, die bis dahin nur von drei Programmen dominiert wurde. Heute gibt es rund 200 private Sender.

Aufsicht

In Deutschland ist der Rundfunk Ländersache. Das oberste Kontrollorgan für die öffentlich-rechtlichen Sender ist der Rundfunkrat. Er beaufsichtigt, ob sich das Programm am Grundversorgungsauftrag orientiert. Grundlage dafür sind der Rundfunkstaatsvertrag sowie die Rundfunkurteile des Bundesverfassungsgerichts.

Regeln für das Privatfernsehen sind in den Landesmediengesetzen festgehalten. Für die Einhaltung der Gesetze sind die Landesmedienanstalten zuständig.

Finanzierung

Da das oberste Prinzip des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Staatsferne ist, setzt sich seine Finanzierung nicht aus staatlichen Mitteln zusammen. Jeder Haushalt muss daher einen monatlichen Rundfunkbeitrag zahlen. Dieser richtet sich nach dem Finanzbedarf der Rundfunkanstalten und wird in regelmäßigen Abständen an deren Bedarfe angepasst. Derzeit liegt der Betrag bei 17,50 Euro.

Die privaten Anbieter hingegen finanzieren ihr Programm weitestgehend mit Werbung. Diese darf allerdings nur ein Fünftel der Sendezeit in Anspruch nehmen, muss als solche gekennzeichnet werden und hat sich an bestimmte Werberichtlinien zu halten. Zu den Werbeformen zählen unter anderem auch Produktplatzierungen.

Stichwort Konvergenz

Grenzen zwischen Medien schwinden Der Begriff „Konvergenz“ beschreibt die Verwischung von Grenzen. Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird immer öfter vorgeworfen, er nähere sich mit seinen Programminhalten dem unterhaltenden Privatfernsehen an. Zusätzlich erschweren die Privaten das Leben von ARD, ZDF und Co. durch eine inhaltliche Annäherung ihrerseits beispielsweise durch Nachrichtensendungen. 

Vor allem der Rundfunkbeitrag steht durch die fehlende Trennschärfe in der Kritik. Aber nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch verschwimmen die Grenzen zwischen den Medien. Das Fernsehgerät als solches hat im Laufe der Zeit seine Bedeutung verloren. Lange Zeit galt es als die einzige Möglichkeit, um Zugang zu Filmen, Serien oder Nachrichten zu bekommen. Heute ist das anders. Alle Zuschauer können heute alle Angebote auf jedem beliebigen mobilen Endgerät abrufen. Dazu gehören beispielsweise Smartphones und Tablets. 

Hintergrund: Von analog auf digital

TV-Programme können über Satellit, Kabel oder Antenne empfangen werden. Noch bis vor einigen Jahren war dies sowohl auf analogem als auch auf digitalem Übertragungsweg gleichermaßen möglich. 

Das analoge Fernsehen, das in den 1980er-Jahren eingeführt wurde und nur um die 30 Programme bereit hält, wird jedoch nach und nach vom digitalen Fernsehen abgelöst. In den digitalen Paketen sind meistens bis zu 100 Programme enthalten. Bei der Analogabschaltung des Fernsehens wird der Bildschirm des Fernsehgerätes von einem auf den anderen Tag schwarz.

Lesen Sie auch Teil 2 zur Geschichte der Medien: Nachrichten hören: Radio läuft heute meist nur nebenbei

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