Interview mit Vize vom Feuerwehrverband: "Müssen in Brüssel sein"

Korbach. Vieles wird heute in Brüssel entschieden, sagt der Vizepräsident des hessischen Feuerwehrverbands.  Ein Interview mit Christoph Weltecke aus Korbach.

Wieso braucht der hessische Feuerwehrverband ein Büro in Brüssel? 

Christoph Weltecke: In Europa gibt es viele fachliche Bezugspunkte zur Feuerwehr: Die Normierung von Schutzkleidung und Fahrzeugen oder das Thema Führerschein. Darüber wird in Brüssel mitentschieden. Deshalb müssen wir vor Ort sein. Wir kooperieren mit dem Deutschen Feuerwehrverband, dem mitgliederstärksten Feuerwehrverband Europas. Bisher waren diese in Brüssel nicht direkt vertreten.

Inwieweit berührt die Arbeit der EU aber die Aktivitäten hessischer Feuerwehrleute? 

Weltecke: Ein Beispiel: Bei der EU-Arbeitszeitrichtlinie geht es um die Frage, ob der Feuerwehrdienst der normalen Arbeitszeit zugeordnet wird. In anderen europäischen Ländern werden Feuerwehren meist hauptberuflich betrieben, in Hessen wie auch in den anderen Bundesländern aber nicht. Wenn also der freiwillige ehrenamtliche Dienst unter die normale Arbeitszeit fallen würde, dann bekämen wir ein erhebliches Problem, weil die Feuerwehrleute die Höchstarbeitszeit schon in ihrem normalen Beruf erreichen.

Es wird gern beklagt, dass Brüssel den Mitgliedsländern zu viele Vorschriften macht. Ist das auch Ihr Eindruck?

Weltecke: Es gibt sicher systembedingte Probleme. Wir wollen aber keine Schelte betreiben. Wir haben das Büro eröffnet, weil wir für unsere Mitglieder dort was erreichen wollen, wo die Entscheidungen getroffen werden.

Wer ist denn Hessens oberster Feuerwehr-Lobbyist in Brüssel? 

Weltecke: Im Moment ist das Büro nur zeitweise besetzt, je nach Anlass.

Wenn jemand vor Ort ist, was macht er dann? 

Weltecke: Die Themen werden in Brüssel in unterschiedlichen Gremien bearbeitet. Es gibt für uns also keine zentralen Ansprechpartner. Daher geht es darum, viele Gespräche zu führen, Aufklärungsarbeit zu betreiben und um Verständnis zu werben. Oft ist zum Beispiel das System des ehrenamtlichen Brandschutzes nicht bekannt.

So ein Büro kostet Geld... 

Weltecke: Wir sind Mieter in der hessischen Landesvertretung. Die Miete bringen der Deutsche Feuerwehrverband und wir gemeinsam auf. (lhe)

Rubriklistenbild: © dpa

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