Bonität wird unter Abgasskandal leiden

Volkswagen: Die finanzielle Schmerzgrenze des Dieselgates

Die Kriegskasse von VW ist zwar gut gefüllt, Ungemach droht aber von den Ratingagenturen.

Durch den Abgas-Skandal rollen auf Volkswagen Kosten in Milliardenhöhe zu: Strafzahlungen, Nachrüstung, Schadenersatzforderungen. Wie hoch die Rechnung für das Dieselgate letztlich wird ist völlig offen. Doch was kann sich der VW-Konzern leisten?

• Die Vorsorge: Volkswagen hat bereits Rückstellungen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro für Kosten aus dem Abgas-Skandal gebildet. Das Geld ist, wie Finanzchef Hans-Dieter Pötsch es Managern kürzlich erklärt haben soll, in erster Linie für eine technische Umrüstung der manipulierten Fahrzeuge. Nicht eingerechnet sind: mögliche Strafzahlungen, Schadenersatzforderungen und Anwaltskosten. Die Landesbank Baden-Württemberg kalkuliert mit einem Schaden von 47 Milliarden Euro für den Konzern – verteilt über mehrere Jahre. Nicht eingerechnet: der Imageschaden und ein möglicher Rückgang beim Fahrzeugabsatz. 

 • Das Finanzpolster: Maßgeblich dürfte dafür der Halbjahresbericht vom Juni 2015 sein. Zu dem Zeitpunkt konnte der Konzern über 17,59 Milliarden Euro Bares und über schnell veräußerbare Wertpapiere in Höhe von 15 Milliarden Euro verfügen, plus, so schätzt Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB, mindestens fünf Milliarden aus dem Verkauf der Beteiligungen am ehemaligen Partner Suzuki und an einer niederländischen Leasingfirma.

• Das Tafelsilber: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr unwahrscheinlich. Kommt es für den Autobauer knüppeldick, dann kann er das Tafelsilber auf den Markt werfen. Bentley, Bugatti, Lamborghini und noch Ducati – Analyst Schwope schätzt den Verkaufserlös auf fünf bis zehn Milliarden Euro. Auch bei Forschung und Entwicklung – angesetzt waren 5,99 Milliarden Euro – ließe sich auch sparen. Aber dies könnte für den Konzern auch ein Eigentor werden. Wahrscheinlicher sind Kürzungen bei der recht umfangreichen Modellpalette. 

 • Die Schulden: VW hat nicht nur Geld, sondern auch Schulden. Um die eigene Liquidität zu schonen, hat der Konzern kurzfristige Finanzschulden von 67,4 Milliarden Euro. Der Zinssatz ist nicht bekannt, aber die Bonität wird unter dem Abgasskandal leiden. Die Rating-Agenturen werden den Konzern herabstufen. Sollten sich dadurch die Zinsen auch nur um einen Prozentpunkt erhöhen, bedeutet dies höhere Kreditkosten von 670 Millionen Euro. Kommt dazu eine starke Absatzschwäche wäre es eine explosive Mischung.

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