Umweltbundesamt plädiert für neue Abgabe

Um Flaschen-Mehrwegsystem zu stützen: Zwangsgeld für Einweg?

Auf dem Vormarsch: Einwegflaschen. Da sie ökologisch weniger vorteilhaft sind, wird über eine Zwangsabgabe diskutiert. Foto: dpa

Berlin. Geht es nach dem Umweltbundesamt (UBA), dann könnte auf Verbraucher eine neue Abgabe zukommen: die Zwangsabgabe für Einwegflaschen – zusätzlich zum 25-Cent-Pfand.

Denn immer mehr Menschen greifen zur Einmal-Plastikflasche beim Discounter anstatt zu Glas- oder PET-Flaschen, die wieder aufgefüllt werden können und damit als ökologisch vorteilhaft gelten. PET-Flaschen werden aus Polyethylenterephthalat hergestellt. Die für das Mehrwegsystem genutzten sind deutlich dickwandiger als andere Plastikflaschen.

Allerdings zögert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) noch: Derzeit will sie keine Abgabe und auch keine gesetzliche Mehrwegquote, heißt es. Letztere käme nach Angaben ihrer Sprecherin einem Teil-Verbot von Einwegverpackungen und damit einer zu hohen Belastung der Getränkehersteller gleich.

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes und damit wichtige Beraterin der Ministerin, sieht es anders: „Eine Zusatzabgabe für Einweg, zur Stützung des Mehrwegs, schließen wir nicht aus.“

Coca-Cola schwenkt um

Alarmiert war man in Berlin, nachdem Coca Cola verkündet hatte, bei den 0,5- und 1,5 Liter-Flaschen verstärkt auf Einweg zu setzen. Das Argument des US-Konzerns: Halbliterflaschen würden oft unterwegs getrunken und nicht wieder zurückgegeben. Also könnten sie auch nicht wiederbefüllt werden.

Viele Menschen glauben zudem, dass sie durch das Pfand auf die Plastikflasche und die Rückgabe etwas Gutes für die Umwelt tun oder gehen gar davon aus, dass es sich aufgrund des Pfandbetrages um Mehrwegflaschen handelt. Doch die leichten Flaschen, die man unabhängig davon, wo man sie gekauft hat, in den Pfandautomaten der Discounter entsorgen kann, werden nur recycelt. Der Energieaufwand dafür ist um einiges größer als die direkte Wiederverwendung, die Ökobilanz daher schlechter.

Hendricks und Krautzberger fordern daher als ersten Schritt, dass die Bundesländer einer seit 2013 im Bundesrat vorliegenden Verordnung zur Kennzeichnung von Einweg- und Mehrwegflaschen zustimmen sollen. Das Problem: Die Kennzeichnung sollte nicht auf den Flaschen, sondern im Laden angebracht werden. Das reichte einigen Ländern nicht. Die Bundesregierung hatte befürchtet, dass ein Flaschenaufdruck nicht EU-konform sein könnte. Denn sie könnte ausländische Hersteller zusätzlich belasten.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte die Ministerin scharf für ihre Absage an eine Zusatzabgabe. Damit falle sie dem Umweltbundesamt in den Rücken. Die DHU hatte für eine Sonderabgabe von 20 Cent pro Flasche plädiert.

Von Georg Ismar und Petra Wettlaufer-Pohl

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